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Bohuslav Martinu

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Bohuslav Martinu (2009), edition text+kritik, 81673 München, ISBN: 9783967072532

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Beschreibung / Abstract

Bohuslav Martinu, geboren am 8.Dezember 1890 in der ostböhmischen Stadt Policka. Da Martinus Vater als Turmmeister oben auf dem Kirchenturm wohnte, beruhten Bohuslavs frühe optische und akustische Eindrücke fast ausschließlich auf dieser ganz besonderen Perspektive, was (nach seinen eigenen Worten) sein musikalisches Form- und Tonraumgefühl wesentlich prägte. Autodidaktisch lernte Martinu noch in Policka sowohl Violinspiel als auch Komposition. Am Prager Konservatorium studierte er seit 1908 in der Violin- und Orgelklasse; nach zwei Jahren wurde er jedoch aus disziplinären Gründen ausgeschlossen. Er lebte dann wechselnd in Prag und Policka, widmete sich privat der Komposition und betätigte sich z.T. als Violinist der Tschechischen Philharmonie und des Prager Nationaltheaters.

Nach einer kurzen Hospitation in Josef Suks Kompositions-Meisterklasse (1922–23) bekam er aufgrund erfolgreicher Aufführungen seiner Jugendwerke ein Stipendium, das ihm 1923–24 das Studium bei Albert Roussel in Paris ermöglichte. Bald identifizierte er sich mit der Pariser avantgardistischen Atmosphäre in dem Maße, daß er in Frankreich blieb und von dort aus mit seinen Kompositionen und publizistischen Beiträgen auch die tschechische Musikszene beeinflußte. (1937–39 studierte bei ihm in Paris die junge tschechische Komponistin Vítezslava Kaprálová.) Ausdruck seiner wachsenden Autorität wurde die ihm angebotene Mitgliedschaft in der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste (1931).

Vor der deutschen Okkupation Frankreichs rettete er sich (gemeinsam mit seiner französischen Frau Charlotte, die er 1931 geheiratet hatte) durch die Auswanderung nach New York (1941). Dort arbeitete er mit der tschechischen Exilkolonie zusammen, komponierte im Auftrag US-amerikanischer Musikinstitutionen zahlreiche Werke, beschäftigte sich intensiv mit der Philosophie des 20.Jahrhunderts und unterrichtete Komposition im Rahmen der Kurse im Berkshire Music Center (1942; 1945), an der Princeton University (1948) und schließlich an der New Yorker Mannes School of Music (1948–53). 1955 wurde er Mitglied des National Institute of Arts and Letters.

Sein Bestreben, sich nach 1945 wieder in Prag ansässig zu machen (1946 wollte ihn die neu gegründete Akademie der musischen Künste gewinnen), scheiterte aus praktischen und später auch politisch-ideellen Gründen. In den USA studierte bei ihm 1947–48 noch der junge tschechische Komponist Jan Novák. Martinus Kontakte zu einzelnen tschechischen Freunden und Künstlern brachen auch während der stalinistischen Ära nicht völlig ab. 1953 ging er nach Frankreich und Italien und lebte ab 1956 in der Schweiz. Er starb am 28.August 1959 in Liestal bei Basel an Krebs. 1979 wurden seine sterblichen Überreste aus Schönenberg in der Schweiz in das Familiengrab in Policka überführt. – Die Martinu-Rezeption in seiner Heimat wurde gefördert vor allem durch die Brünner Oper und den Dirigenten Václav Talich, im Ausland durch Dirigenten wie Paul Sacher, Sergej Kusevickij und Charles Munch. Da Martinu zahlreiche Werke für sehr vielfältige Besetzungen schrieb, sind manche seiner Kompositionen auch als Spielmusik des 20.Jahrhunderts beliebt.

Beschreibung

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Impressum
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Aleš Březina — Martinůs musikhistorischer Ort. Prolegomena zu einer problemorientierten Darstellung des Komponisten
  • Sandra Bergmannová — Sinfonische Kompositionen der tschechischen Periode. Ein Einblick in Martinu°s Frühwerk
  • Eva Velická — Streichtrio Nr. 1. Der unbekannte Wendepunkt in Bohuslav Martinůs Werk der 1920er Jahre
  • Stefan Weiss — Tradition und Revolution in Martinůs frühen Pariser Streichquartetten
  • Ivana Rentsch — Die Poesie der Oper. Bohuslav Martinůs Theaterästhetik als Gegenentwurf zum Musikdrama
  • Klaus Döge — Das entsetzliche Grauen zum Ausdruck gebracht. Anmerkungen zu Martinůs Memorial to Lidice
  • Daniela Philippi — Martinůs konzertante Musik für Kammerorchester und die Bedeutung des Klaviers
  • Wolfgang Rathert — Die Sinfonien von Bohuslav Martinůs. Ein Beitrag zur amerikanischen Musikgeschichte?
  • Jarmila Gabrielová — Zur Martinů-Rezeption in Böhmen
  • Abstracts
  • Bibliografische Hinweise
  • Zeittafel
  • Autorinnen und Autoren

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