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Die Mechanik der Leidenschaften

Gehirn, Verhalten, Gesellschaft

Alain Ehrenberg

Diese Publikation zitieren

Alain Ehrenberg, Die Mechanik der Leidenschaften (2019), Suhrkamp Verlag, Berlin, ISBN: 9783518761434

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Seit den 1990er Jahren gewinnt eine neue Wissenschaft des menschlichen Verhaltens ungeheuer an Dynamik: die kognitive Neurowissenschaft. Ihr Ziel ist die Erforschung des Gehirns, um geistige Pathologien wie Depressionen oder Schizophrenie zu behandeln, aber auch das Lernen oder die Kontrolle von Emotionen zu verbessern. In seinem faszinierenden Buch geht Alain Ehrenberg der Frage nach, ob diese Wissenschaft das »neue Barometer« unseres Verhaltens und Lebens geworden ist. Hat sie den Platz eingenommen, den früher die Psychoanalyse innehatte? Ersetzt der »neuronale« Mensch nun den »sozialen« Menschen?


Ehrenberg zeigt, dass die kognitive Neurowissenschaft und die mit ihr verbundene Verhaltensökonomie ihre wachsende Autorität nicht nur aus ihren wissenschaftlichen Ergebnissen, sondern auch aus der Einschreibung in ein wichtiges soziales Ideal bezieht: das eines Individuums, das seine Unzulänglichkeiten durch Nutzung seines »verborgenen Potentials« in verwertbare Vermögen umzuwandeln vermag. Diese neue Wissenschaft vom Verhalten ist für Ehrenberg daher die Echokammer unserer zeitgenössischen Ideale der Autonomie.

Beschreibung

<p>Alain Ehrenberg, geboren 1950, ist Soziologe und emeritierter Forschungsdirektor am CNRS (Cermes3) in Paris. 2001 gr&uuml;ndete er das Forschungszentrum f&uuml;r Pharmaka, psychische Gesundheit, Gesellschaft (CNRS-Inserm-Universit&auml;t Paris-Descartes).</p>

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Informationen zum Buch
  • Titel
  • Impressum
  • Inhalt
  • Motti
  • Einleitung
  • Die neue Wissenschaft des menschlichen Verhaltens
  • Von der Psychoanalyse zur Neurowissenschaft, von einer modernen Stimmungslage zur nächsten
  • Die kognitive Neurowissenschaft als moralische Autorität: Welche Ideale der Moderne? Welcher Individualismus?
  • Das Programm
  • Kapitel 1
  • Exemplarische Gehirne Von den Leiden des praktischen Subjekts zum Heroismus des verborgenen Potentials
  • Die Leiden des praktischen Subjekts
  • Die Gehirne des verborgenen Potentials oder die Demokratisierung des Außergewöhnlichen
  • Kapitel 2
  • Wissenschaftliche Methode und individualistisches Ideal Die Umwandlung der Affekte von der schottischen Aufklärung bis zum neuen Individualismus
  • Die Mechanik der Affektumwandlung: das gewöhnliche Individuum als aktiver Werteschöpfer
  • Vom Social Engineering zur Selbstverwirklichung (1900-1970): die drei Zeitalter des Verhaltens
  • Wer entschlossen ist, entscheidet frei: die Einführung von Subjektivität und Aktivität
  • Die »kognitive Revolution« oder der Wissenschaftler als Modell gewöhnlicher Intelligenz
  • Kapitel 3
  • Das Gehirn als Individuum, eine Physiologie der Autonomie
  • Eine »Rückkehr« des Subjekts im biologischen Gewand?
  • Individualisierung: vom reagierenden zum agierenden Gehirn
  • Die Entindividualisierung des Gehirns im Matrixraum der Neurowissenschaft
  • Kapitel 4
  • Die soziale Neurowissenschaft oder Wie das Individuum mit anderen agiert
  • Die Notwendigkeit des Sozialen
  • Die Verhaltensökonomie, eine kognitive Psychopathologie des Alltagslebens
  • Kapitel 5
  • Die Autonomieübungen: individualistische Rituale zur Wiederherstellung des eigenen moralischen Wesens?
  • Soziale Kognition, Achse der Individualisierung von Schizophrenen
  • Die soziale Kognition wiederherstellen oder Wie man das Individuum zum Urheber seiner eigenen Veränderung macht
  • Affective Computing und Partnermaschine
  • Das Biologische, das Psychologische und das Soziale: auf die neuronalen Schaltkreise einwirken oder eine akzeptable Lebensform finden?
  • Kapitel 6
  • Sind meine Ideen krank oder ist es mein Gehirn? Neurowissenschaft und Selbsterkenntnis
  • Der moralische Perfektionismus, eine Philosophie der persönlichen Veränderung
  • Ursachen und Gründe: die Dilemmata der einen und die Harmonie des anderen
  • Der Käfig des Gehirns: woher wissen, wie es sich anfühlt, ein anderer zu sein?
  • Schluss
  • Der Ort des Gehirns. Vom neuronalen Menschen zum totalen Menschen
  • Die Individualismuserzählung: eine Echokammmer unserer Befähigungsideale
  • Alltäglicher Umgang und praktisches Wissen: die Reform des neuronalen durch den totalen Menschen
  • Bibliographie
  • Danksagung

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