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Herausforderungen und Ergebnisse der Forschung zu Prävalenz sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Jörg M. Fegert und Andreas Jud

Diese Publikation zitieren

Jörg M. Fegert, Andreas Jud, Herausforderungen und Ergebnisse der Forschung zu Prävalenz sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen (2018), Beltz Juventa, 69469 Weinheim, ISSN: 0044-3247, 2018 #01, S.67

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Obschon das Problem der sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen als gesellschaftlich dringlich erkannt ist, sind aktuell genaue Angaben zur Häufigkeit sexueller Viktimisierung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufgrund der vorhandenen Daten nicht hinreichend möglich. Zwar sind Populationsstudien vorhanden, allerdings weichen die Studien in Definitionen und Forschungsdesign stark voneinander ab. Entsprechend schwanken die Angaben zur prozentualen Betroffenheit von sexueller Viktimisierung in den vorhandenen Studien zwischen niedrigen einstelligen Prozentangaben und Angaben gegen 20 % der Stichprobe. Die großen Unterschiede in den Häufigkeitsangaben teilen sich die deutschen Studien mit der internationalen Literatur. Erhärtet ist lediglich, dass es sich um ein Phänomen mit bedeutsamer Größenordnung handelt. Als gesichertes Ergebnis zur Prävalenz kann trotz stark schwankender Häufigkeiten die höhere Betroffenheit des weiblichen Geschlechts gelten. Zwar mag diese auch durch eine höhere Hemmschwelle des Berichtens bei Männern zustande kommen, ein bedeutsamer Teil der Unterschiede dürfte jedoch auf tatsächliche Unterschiede in der Betroffenheit zurückzuführen sein. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass sexuelle Gewalterfahrungen in der Regel kein isoliertes Phänomen sind, sondern wiederholt mit anderen Formen von Gewalt und Vernachlässigung auftreten. Die Folgen, die sich aus einem Mix unterschiedlicher Gewalterfahrungen ergeben, können kaum isoliert auf sexuellen Missbrauch zurückgeführt werden. Weitere Herausforderungen für die Forschung sind ein Prozess hin zu einheitliche(re)n Begriffen, Definitionen und Operationalisierungen, aber auch methodische Standards, etwa (geschichtete) Zufallsstichproben angemessenen Umfangs.

Schlagworte: Sexueller Kindesmissbrauch, Sexuelle Gewalt, Prävalenz, Allgemeinbevölkerung, Geschlechterdifferenz



The necessity to act against the sexual victimization of children and young people is socially and publicly recognized. Yet, the recent frequency of child sexual victimization (CSV) in Germany is difficult to establish accurately based on the available population surveys. They differ remarkably in definitions and study design. Findings on the percentage of sexually victimized children and young people differ accordingly, between low single-digit percentages and up to 20 % of the sample. The large variance in the prevalence of CSV is both a challenge in the German and international context. So far, research has only established that CSV is a phenomenon of important size. Population surveys on CSV are almost unanimous in their finding of increased frequencies for female victims. While a higher threshold for the disclosure of an incident of CSV for male victims - as compared to female victims - may contribute to this significant difference, it still likely reflects an actual disparity in the risk of victimization between genders. Furthermore, CSV is rarely an isolated phenomenon, but co-occurs with other forms of violent acts and omissions. For poly-victimized children and young people it is difficult to disentangle the specific contribution of CSV from the entirety of the consequences. Further challenges for epidemiological research on CSV are the development of an interdisciplinary discourse with shared terms, definitions, and operationalisations, along with improved methodical standards such as (stratified) random samples of adequate size.

Keywords: Child Sexual Abuse, Sexual Violence, Prevalence, General Population, Gender Difference

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