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"Zwischen Traum und Wirklichkeit" - Kommunikation, Konflikte und Gewalt in Paarbeziehungen

Barbara Flotho

Diese Publikation zitieren

Barbara Flotho, "Zwischen Traum und Wirklichkeit" - Kommunikation, Konflikte und Gewalt in Paarbeziehungen (24.06.2021), Beltz Juventa, 69469 Weinheim, ISSN: 0342-2275, 2011 #1, S.54

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalt in Paarbeziehungen. Frauen haben ein hohes Risiko, Gewalt in ihren Partnerschaften zu erleben. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004) hat jede vierte Frau in Deutschland schon mindestens einmal Gewalt durch den Partner erlebt. Gewalt zwischen den Eltern kann auf Kinder traumatisierend wirken, auch wenn sie nicht direkt selbst betroffen sind. Jugendliche können in zweifacher Weise betroffen sein: durch Gewalt in ihren Herkunftsfamilien sowie durch Gewalt in der eigenen Paarbeziehung. Gewalt in Beziehungen zwischen Jugendlichen ist in Europa - anders als in den USA - noch wenig erforscht. Man kann aber davon ausgehen, dass Gewalt auch bei uns in Teenagerbeziehungen weit verbreitet ist. In einer britischen Studie zur "Gewalt in intimen Teenagerbeziehungen" (Barter et al 2009) wurden 1353 Jugendliche zwischen 13 bis 17 Jahren befragt. Ca. 75% der Mädchen und 50% der Jungen berichteten von emotionalen Gewalterfahrungen in ihren bisherigen Beziehungen (z.B. Demütigung, Drohung, kontrollierendes Verhalten). Ungefähr ein Drittel der Mädchen und 16% der Jungen berichteten von Formen sexueller Gewalt durch den/die Beziehungspartner/in. Ungefähr ein Viertel der Mädchen und 18% der Jungen berichteten von körperlicher Gewalt durch den Partner/die Partnerin, 11% der Mädchen und 4% der Jungen von schwerer Gewalt. Untersuchungen zeigen ebenso wie unsere Erfahrung in der sexualpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, dass große Anhänglichkeit und Eifersucht von Jugendlichen zunächst oft als Liebesbeweise erlebt werden. Sie können jedoch auch erste Warnzeichen sein und sich bis hin zu physischer Gewalt ausweiten. Demütigungen, kontrollierendes Verhalten, Drohungen, Bloßstellungen im Internet, Körperverletzung und sexuelle Übergriffe sind Formen von Beziehungsgewalt, die unter Jugendlichen vorkommen und schädigende Folgen für ihre Entwicklung haben können. Jugendliche wissen meist wenig über Gewalt in Paarbeziehungen. Wenn sie betroffen sind, fällt es ihnen schwer, darüber zu sprechen. In der Studie von Barter et al (2009) sprach ein Teil der betroffenen Jugendlichen mit peers über ihre Gewalterfahrungen. Sehr selten wendeten die Jugendlichen sich an Erwachsene. Ihnen fehlt oft das Wissen darüber, an wen sie sich zur Unterstützung wenden können und welche Einrichtungen Hilfe anbieten. In Deutschland sind in den letzten Jahren einige Projekte zur Prävention für den schulischen Bereich entwickelt worden (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2007), die sich zumeist mit Gewalt zwischen den Eltern beschäftigen. Das 2009 begonnene EU-Projekt "Herzklopfen/Heartbeat" ist eines der wenigen Projekte, die sich mit der Prävention von Gewalt in intimen Teenagerbeziehungen befassen und dazu Materialien entwickeln. -- --

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