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Heimärztliche Versorgung in der stationären Langzeitpflege: Gravierende Versorgungsprobleme an den Schnittstellen zwischen Pflege- und Gesundheitsbereich.

Antje Enders und Roland Schmidt

Beschreibung

Unser Beitrag bilanziert eingangs die derzeitige Problematik heimärztlicher Versorgung und skizziert, wie die Soll-Beschaffenheit einer angemessenen Versorgung nach empirischen Studien und Expertengremien auszusehen hätte. Auf dieser Folie werden ausgewählte Beispiele einer systematisch angelegten, kontinuierlichen heimärztlichen Versorgung präsentiert, die in der jüngeren Vergangenheit initiiert wurden. Allerdings liegen bislang nur wenige Daten zu Effekten vor. Heimärztliche Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen wird in der Literatur weitestgehend als defizitärer und konfliktreich beschrieben. Es offenbaren sich gravierende Abstimmungs- und Versorgungsprobleme an den Schnittstellen zwischen dem Pflege- und Gesundheitsbereich. Durch die gesundheitliche Problematik hochaltriger Menschen, insbesondere das Vorliegen von chronischen Erkrankungen und Multimorbidität, ergeben sich komplexe Versorgungssituationen. Hirsch und Kastner (2004, S. 46 f.) beziffern die Prävalenz medizinischer Probleme der Bewohner wie folgt: Harninkontinenz 60 %, Demenz 55 %, Verordnung von Psychopharmaka 41 %, Depressivität 40 %, Gangstörungen 38 %, Stürze 26 %, Schlaganfallerkrankungen 18 %, Dekubitus 10 % und Schenkelhalsfrakturen 4 % der Bewohner. Hallauer u.a. (2005, S.7) ergänzen: Mobilitätseinschränkungen 75 % und Stuhlinkontinenz 45 %. Der Bedarf an adäquater ärztlicher Versorgung ist im Setting überdeutlich gegeben. Für Ärzte ist die Behandlung von Patienten im Heim mit hohem zeitlichen, bislang nicht vergüteten Aufwand und mit Einbußen bei Überschreitung des Budgets verbunden. Zur Sicherstellung einer angemessenen medizinischen Versorgung ergriffen verschiedene Akteure, darunter Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen (KV), Ärzte und Wohlfahrtsverbände (u.a. die AWO in der Stadt München) in einzelnen Regionen Maßnahmen, um innovative Versorgungskonzepte zu implementieren und zu erproben. Nach Recherchen zu ausgewählten, momentan laufenden Versorgungsmodellen in Berlin, Bayern und Westfalen-Lippe wird zusammenfassend deutlich, dass durch neue Versorgungsformen die Chance besteht, Prozesse besser abstimmen, Schnittstellenprobleme minimieren, Ressourcen optimieren, Versorgungslücken schließen, die Versorgungsqualität und Lebenszufriedenheit der Bewohner verbessern sowie die Kosten senken zu können. Die Modelle geben Anregungen, mit welchen Mitteln und Möglichkeiten eine koordinierte gesundheitliche Versorgung von älteren, pflegebedürftigen Menschen in der stationären Langzeitpflege auch anderenorts erreicht werden kann.

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