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Kulturphilosophie

Der Mensch im Spiegel seiner Deutungsweisen

Volker Steenblock

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Volker Steenblock, Kulturphilosophie (2019), Verlag Karl Alber, Freiburg, ISBN: 9783495817759

Description / Abstract

Ein zentrales Rätsel der Gegenwartsphilosophie ist das Verhältnis unseres Bewusstseins, der Perspektive der ersten Person mächtig und Urheber der Kultur zu sein, zu den ebenso faszinierenden wie wichtigen Erkenntnissen der Neuro- und der Evolutionswissenschaften seit Darwin, die freilich nicht selten zu einem naturalistischen Weltbild hochgerechnet werden.
Ein dabei vertretener Reduktionismus nimmt die Binnenperspektive der durch ihre Endlichkeit herausgeforderten menschlichen Existenz nicht adäquat wahr. Ihm entgeht systemisch – d.h. von der Objektlogik seiner Vorgehensweise her – die Eigenqualität einer Kulturwelt, an der wir um unserer selbst willen arbeiten müssen. Kunst, Moral und Religion werden zu funktionaler zerebraler Inszenierung bzw. zu überlebensnützlichen Illusionskulissen. Ein quantifizierendes Gegenstandsverständnis dringt in den Humanwissenschaften vor, auch wenn dies im einschlägigen Moden- und Methodenkaleidoskop noch nicht immer auffällt. Zu zeigen ist das Gegenteil: Es gibt keine naturwissenschaftliche Theorie unserer gesamten Welt. Was der Mensch ist, entscheidet sich in der "Kulturwirklichkeit" (Max Weber): in der eminenten sozioökonomischen Dynamik der Zivilisation, in der qualitativ mehrdimensionalen und zugleich bereits im Ansatz binnendifferenten Sphäre der Kultur und – mit Herder und Humboldt, Dilthey und Cassirer – in unserer eigentlichen Selbsterzeugung im Medium der Bildung. Bedingungsverhältnisse sind zu klären, aber Befreiungsvorgänge und Sinnvollzüge sind das, worum es geht.

Description

Volker Steenblock, geb. 1958, Professor für Kulturphilosophie und Philosophiedidaktik an der Ruhr-Universität Bochum; zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Bildung.

Table of content

  • Cover
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Einleitung: Deutungsweisen der Kultur
  • 1. »Darwinizing Culture« oder: Wie passt die Kultur in das Universum?
  • 1.1 Die Leiden Darwins
  • 1.2 Homo biologicus – Kulturerklärungspotentiale von Paläoanthropologie und Primatenforschung, Soziobiologie und Evolutionspsychologie, Verhaltenstheorie und kognitiver Archäologie
  • 1.3 Vergleichender Exkurs: Prometheus oder Mängelwesen? Der Mensch im Kulturbeginn von Platon bis zur Philosophischen Anthropologie
  • 1.4 Gesellschaft und Geist als Anschlussorganisation an die Natur (Günter Dux)
  • 2. Johann Gottfried Herder – Kultur als menschliche Arbeit verstehen
  • 2.1 Ein bemerkenswerter Übergangspunkt: Natur und Kultur bei Herder
  • 2.2 »Besonnenheit« und Geschichtlichkeit: Zwei grundsätzliche Kategorien zur Bestimmung von Kultur
  • 2.3 Herders Projekt der Humanität in der Moderne
  • 3. Humboldts Traum
  • 3.1 Wilhelm von Humboldt oder: Die Idee des Menschen
  • 3.2 Was ist es, »was den Menschen eigentlich zum Menschen macht«? – Die Idee des Kultursubjekts im Bezugsrahmen der Bildung
  • 3.3 Unsere Selbstgewinnung als kulturelles Projekt – nicht aber Homo cerebralis – ist Ausgangspunkt der Kulturphilosophie (mit einem Exkurs über Endlichkeit und Individualität)
  • 4. Wilhelm Dilthey und die Wissenschaften von der Kultur
  • 4.1 Ein Gelehrtenleben im 19. Jahrhundert
  • 4.2 Homo hermeneuticus und die Grundlegung der Geisteswissenschaften
  • 4.3 Ersatz des Unbedingten – Kulturalisierung des absoluten Geistes
  • 4.4 Produktive Historizität: Weltanschauliche Orientierung in der kulturellen Arbeit
  • 4.5 Diltheys vielgestaltiges Erbe: Wege und Querwege der Verwissenschaftlichung in den Kulturwissenschaften des 20. und des 21. Jahrhunderts
  • 5. Ernst Cassirers Kulturphilosophie
  • 5.1 Vorspiel: Vico und das »Fingunt simul creduntque«
  • 5.2 Aby Warburg und der angstbewältigende Akt der Symbolisierung
  • 5.3 Homo symbolicus – Cassirers Transformation der Transzendental- zur Kulturphilosophie
  • 5.4 »Tragödie der Kultur« (Georg Simmel)? – Die symbolischen Formen im geschichtlichen Progress
  • 5.5 Eine humanistische Perspektive für die Kulturreflexion
  • 6. Das Projekt der Moderne (Habermas) im Zeitalter der Globalisierung
  • 6.1 Ein europäischer Ausgangspunkt: »Great Transformation«
  • 6.2 Homo oeconomicus, Homo sociologicus und die Kultur – von Max Weber zum Fortschrittsszenario der Modernisierungstheorie
  • 6.3 Panorama der Einwände: Clash of Civilizations, Cultural Anthropology, Postcolonial Studies bestehen auf dem Differenzmodus aller Kultur; Marx / Wallersteins Kapitalismuskritik und die zivilisatorische Grenzerfahrung im »Anthropozän«
  • 6.4 System und Lebenswelt oder: Komplexitätsbedigungen avancierter Gegenwartskultur
  • 6.5 Homo medialis, Homo 2.0 – Der Mensch der Zukunft als Kommunikationsformat seiner selbst
  • 7. Resümee: Theorieformen und ihre Verhältnisse in der Kulturreflexion
  • 7.1 Homo moralis, aestheticus, metaphysicus: Kulturelle Bildung als Erfahrung der Dimensionen des Humanen
  • 7.2 Konkurrierende Theorienreichweiten und -ansprüche zwischen Ontologie und Epistemologie
  • 7.3 Natur, Gesellschaft und Sinn – Drei Paradigmata der Kulturforschung
  • 7.4 Kontinuität, Negation, Interaktion? – Probleme der Emergenz
  • 7.5 Der Prozess der Kultur – zusammenfassende Bemerkungen unter Rekurs auf die Kategorie der Geschichte.
  • Nachwort: Kulturdeutung und Kulturbegriff
  • Literatur
  • Personenregister
  • Sachregister

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