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Operette und ,Selbstideologisierung‘

Politisch motiviertes Operettenschaffen im NS-Staat am Beispiel von Hermann Hermeckes und Arno Vetterlings Die Dorothee (1935)

Matthias Kauffmann

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Matthias Kauffmann, Michael Fischer(Hg.), Knut Holtsträter(Hg.), Operette und ,Selbstideologisierung‘ (2016), Waxmann Verlag, 48159 Münster, ISSN: 1619-0548, 2015 #1, p.401

Description / Abstract

Sofern musikalisches Unterhaltungstheater als Spiegel derjenigen Menschen begriffen wird, die es finanziell tragen und für deren Unterhaltung es Sorge trägt, stellt sich die Frage nach der Funktionalisierung entsprechender Theaterausprägungen im „Dritten Reich“ verschärft. Inwieweit wurde speziell die Operette als damals marktführende Theatergattung tagespolitisch nutzbar gemacht? Und fungierte sie auch nach 1933 als Indikator für die Mentalität der breiten Bevölkerung? Folgender Beitrag plädiert für eine Trennung der Betrachtung von NS-Theaterkultur in den durch die Machthaber intendierten „Soll-Zustand“ sowie einen alltagskulturellen „Ist-Zustand“. Dabei zeigt sich, dass explizite Propagandaoperetten durch das Regime kaum verordnet wurden. Vielmehr erweisen sich einschlägige politische Operettenentwürfe als Ausdruck dessen, was Ian Kershaw als „entgegenarbeitende“ Einstellung versteht: Nazistisches Operettenschaffen nach 1933 ist weniger als Ausdruck totalitäter Vereinnahmung aktiver KünstlerInnen zu verstehen, sondern resultierte oft aus politisch oder pekuniär motivierten Eigeninitiativen „von unten“. Am Beispiel des parteipolitisch aktiven Operettenautors Hermann Hermecke und seines Propagandasujets Die Dorothee aus dem Jahr 1935 wird im Beitrag eine solche ‚Selbstideologisierung‘ von KünstlerInnen im „Dritten Reich“ exemplifiziert.

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