Verleugnete Verfolgung

Nachkommen von NS-Opfern brechen das Schweigen

Verleugnete Verfolgung

Diese Publikation zitieren

Frank Nonnenmacher (Hg.), Verleugnete Verfolgung (2026), Campus Frankfurt / New York, 60486 Frankfurt/Main, ISBN: 9783593462998

43
Accesses

Beschreibung / Abstract

Nach jahrzehntelangem Verschweigen der Opfergruppe, die die Nationalsozialisten ab 1933 als »Berufsverbrecher« und »Asoziale« in die Konzentrationslager brachten, schildert Frank Nonnenmacher, der selbst ein Nachkomme eines Verfolgten ist, die historischen Gründe für die Ausgrenzung dieser Personen. Er nennt Akteure und deren Interessen sowie Strukturen, die dazu führten, dass die Ächtung dieser Menschen in der Bundesrepublik Deutschland unmittelbar nach 1945 aktiv fortgesetzt wurde und erst beschämend spät (2020) zu einer offiziellen Anerkennung als NS-Opfer geführt haben. 15 Nachkommen erzählen anschließend – so exemplarisch wie anschaulich und anrührend – die Fallgeschichten ihrer Vorfahren. Sie stützen sich dabei auf selbstrecherchierte fallbezogene Quellen und beschreiben die Gründe für das jahrzehntelang geltende Schweigegebot, das innerhalb der jeweiligen Familie, vor allem aber auch nach außen herrschte. Dabei wird deutlich, dass es nicht – wie es die Nazi-Ideologie behauptete – »die Gene« eines Menschen sind, aufgrund derer Menschen delinquent und deviant werden, sondern dass materielle Not und soziale Verhältnisse die Ursache für Delinquenz und Devianz sind.

Beschreibung

Frank Nonnenmacher ist emeritierter Professor für Didaktik der politischen Bildung an der Universität Frankfurt am Main. Er ist Nachkomme eines KZ-Häftlings mit dem grünen Winkel, Initiator des erfolgreichen Appells an den Deutschen Bundestag zur Anerkennung der als »Berufsverbrecher« und »Asoziale« jahrzehntelang diskriminierten NS-Opfer und 1. Vorsitzender des 2023 gegründeten Vereins »vevon – Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus«.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Inhalt
  • Geleitwort
  • Als NS‑Opfer anerkannt – und dennoch weitgehend ignoriert
  • Zu Recht im KZ gewesen – gibt es das?
  • Wen machte die SS im KZ zum Schreiber, Blockältesten oder »Kapo«?
  • Nach verbüßter Haft ins KZ – ohne eine Straftat begangen zu haben
  • Warum schwieg auch ich so lange?
  • Ausschlusserfahrungen nach der Befreiung
  • Die allmählichen Erfolge der zunächst ebenfalls verleugneten Opfergruppen
  • Warum hielt die Stigmatisierung der von den Nazis als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Bezeichneten an?
  • Wie kam es zu dem Bundestagsbeschluss vom 13. Februar 2020?
  • Der Beschluss des Bundestages vom 13. Februar 2020
  • Das Medienecho zum Bundestagsbeschluss
  • Endlich Bewegung
  • Die Rolle von VVN/BdA – damals und heute
  • Stolpersteine für die Verleugneten?
  • Wie geht es weiter?
  • Zu diesem Buch
  • Literatur
  • »Asozialität« und Kriminalität als KZ‑Einweisungsgrund. Rechtliche Konstrukte und kriminologische Diskurse
  • Die Verfolgungskategorie »Asozialität«
  • Die Verfolgungskategorie »Berufsverbrecher« bzw. »Berufsverbrecherin«
  • Die Winkelzuteilung in den KZ
  • Der legalistische Rahmen für KZ‑Einweisungen wegen »Asozialität« oder wiederholter Straffälligkeit
  • »Schutzhaft«
  • »Heimtücke«
  • Fürsorgerechtlicher und sicherheitspolizeilicher Arbeitszwang
  • »Sicherungsverwahrung« und polizeiliche »Vorbeugungshaft«
  • Entwicklung der Verfolgung und Radikalisierungsdynamiken
  • Literatur
  • Der lange Weg nach Ravensbrück – eine Spurensuche in vierter Generation
  • Betty
  • (K)eine Frage des Winkels
  • Entlassen ohne entlassen zu sein
  • Der Ruf nach Anerkennung
  • Warum auf Spurensuche gehen?
  • Zurück
  • Literatur
  • Akten
  • Häftling 1104 – vom Leben und Sterben des Lorenz W.
  • Spurensuche
  • Jugend und Militärdienst
  • Zurück nach Frankfurt
  • Krise und Not
  • In den Fängen des Regimes
  • Staatlich verordnetes Unrecht
  • KZ Flossenbürg
  • Ermordet in Bernburg
  • Was folgt
  • Literatur und Quellen
  • Das Verschwinden der »schwarzen Marie«. Wie ein zweifelhafter Mordprozess ins Konzentrationslager führte
  • Der Prozess gegen Heinrich te Fries in der Presse
  • Heinrichs Weg ins Konzentrationslager
  • Rückkehr nach Ahlen
  • Scham und lokaler Mythos
  • Der Versuch, die Lücken zu schließen
  • Die Vergessenen nicht noch einmal vergessen
  • Literatur
  • Das Schicksal der als »asozial« verfolgten Emma Kristens
  • Beginn der familiären Spurensuche
  • Wie ist sie dorthin gekommen? Verfolgungsgeschichte von 1938 bis 1945
  • Drakonische Strafen, Schwerstarbeit und Krankheiten
  • Entlassung aus Ravensbrück
  • Ihr Leben nach der Entlassung aus Ravensbrück
  • Antworten und offene Fragen
  • Was die Entdeckung der Vergangenheit in der Familie bewirkt hat
  • Literatur
  • Warum willst du es wissen, sie hat doch überlebt?
  • Kindheit und frühe Jugend
  • Haftzeit
  • Nachkriegszeit
  • »Asozialen« glaubt man nicht
  • Literatur
  • Mein Urgroßvater Robert Stark – Die Entdeckung eines Verschwiegenen
  • Wie ich meinen Urgroßvater kennenlernte
  • Wer war Robert Stark?
  • Robert als »Berufsverbrecher«
  • Verbüßung der Freiheitsstrafe
  • Deportation von Robert in das KZ Sachsenhausen
  • Aufenthalt im Konzentrationslager Sachsenhausen
  • Verweigerte Entschädigung
  • Schweigen und Ausgrenzung in meiner Familie
  • Beisetzung Roberts auf dem Feld der Opfer der Nationalsozialisten
  • Stolperstein für Robert
  • Warum die Geschichte meines Urgroßvaters heute noch relevant ist
  • Literatur
  • Vom Regen in die Traufe
  • Jugend und Arbeitslosigkeit
  • Neuanfang und Scheitern
  • Zwangsarbeit und Entmenschlichung
  • Zweiter Neuanfang und Nachkrieg
  • Vergangenheit und Gegenwart
  • Literatur
  • »Liebste Mutter, Du bist immer der Gedanke, der mich alles Schwere ertragen lässt.« Schutzhäftling 53959 Karl August Cremer, Block 20
  • Die Quellenlage: Akten, Fotoalben und nicht Erzähltes
  • Der älteste Sohn
  • Richtungsändernde Jahre 1933 bis 1939
  • Wehrmacht
  • Schutzhäftling 53959 im Konzentrationslager Neuengamme
  • Aus Karl Cremer wurde Schutzhäftling 53959
  • Tod bei der Auflösung des KZ Neuengamme
  • Schlussbemerkung
  • Literatur
  • Armut, Widerstand und Delinquenz
  • Der Vater stirbt
  • Ausweglose Armut
  • Vergehen gegen das »Heimtücke Gesetz«
  • Diebstähle
  • Erhaltung erbgesunden Nachwuchses
  • Nach der Haftentlassung in den Krieg
  • Nach dem Krieg zurück in Bonn
  • Nach außen hin gut
  • Folgen
  • Eigenschaften meines Vaters
  • Was bleibt mir von meinem Vater
  • Literatur
  • Ein kurzes Leben, ein langer Weg der Erinnerung – Josef Finster
  • Sohn einer Familie von Tagelöhnern
  • Sich ohne Chancen durchs Leben schlagen
  • Die Nationalsozialisten verwandeln Josef in einen »Berufsverbrecher«
  • Warum Erinnerungsarbeit?
  • Literatur
  • Vergessen, verdrängt, erinnert – Die Geschichte von Hermann August Fabeck
  • Die frühen Jahre: Kindheit in schwierigen Verhältnissen
  • Jugendjahre, prekäre Lebensverhältnisse und erste Haftstrafen
  • Ehe, Trennung und Eskalation der Verfolgung
  • Entlassung, beruflicher Neuanfang und instabiles Leben
  • Erneute Anklage, Gerichtsverfahren und letzte Haftstrafe
  • Vom Zuchthaus in das Konzentrationslager – Tod durch Zwangsarbeit
  • Das Erbe des Schweigens – späte Erinnerung und Gedenken
  • Erinnerungspolitik – viel erreicht, vieles bleibt
  • Quellen
  • Ob wir von Vati noch einmal hören werden?
  • Literatur
  • Fritz Wille ist in den Kreis der Familie und der Gesellschaft wieder aufgenommen!
  • Einleitung
  • Kindheit und Jugend
  • Die »Goldenen Zwanziger« – Lebenslust und Lebensstil
  • Der gescheiterte Versuch eines Neuanfangs
  • Der Bruch: Aus dem Staatsdienst ins Exil
  • Abstieg und Verfolgung
  • Im KZ Buchenwald
  • Sein Tod
  • Das Schweigen der Familie
  • Erinnerung und Rehabilitierung
  • Engagement für vergessene Opfer
  • Fazit

Ähnliche Titel