Des Rätsels Lösung – oder warum Kontingenz kein Zufall ist.

Die determinierte Überraschung und ihre intermediale Wirkungsweise anhand des Final Plot Twist im unzuverlässig erzählten Film

Kristina Henning

Diese Publikation zitieren

Kristina Henning, Des Rätsels Lösung – oder warum Kontingenz kein Zufall ist. (2023), Schüren Verlag, Marburg, ISBN: 9783741001833

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Beschreibung / Abstract

Wir begreifen die Welt in Geschichten und erfahren diese durch Medien. Doch wie verändern die Medien das Erlebnis der Geschichten, oder bleibt es immer gleich? Diese Dissertation befasst sich mit der Veränderung der Rezeptionsweisen von Unterhaltungstexten durch die Einführung der neuen Medien seit dem Web 2.0 (Social Media) gemäß dem Grundsatz, dass ein neues Medium zwar nicht die Welt verändert, aber durchaus die Sicht auf die Welt.
Als Basistheorie der Arbeit wird das mediensoziologische Konzept von Elena Esposito fruchtbar gemacht, nach der die determinierte Überraschung charakteristisch für eine durch die vernetzten Computer veränderte, interaktiv- kontingente Rezeptionsweise ist. Es wird somit der Forschungsfrage nachgegangen, ob sich die Rezeptions- und Wirkungsweise der determinierten Überraschung bereits vor Einführung des Web 2.0 in filmnarratologischen Strukturen niedergeschlagen hat und durch eine bestimmte Gruppe spannungsreicher Filme, den sogenannten unzuverlässig erzählten Filmen, umgesetzt wurde – in denen sich damit schon das Paradigma der spielerischen Rezeption gespiegelt haben könnte. So wird anhand einer werkintern- filmnarratologischen Analyse unzuverlässig erzählter Filme bzw. unzuverlässiger Erzählweisen spielerische, interaktive Rezeption in diesen nachgewiesen. Um interaktive Rezeption in den Filmen quantitativ nachweisbar zu machen, bildet die filmnarratologisch-werkinterne Definition und Typologisierung der unzuverlässig erzählten Filme und Erzählweisen eine unbedingte Voraussetzung und schließt eine Forschungslücke.
Behandelte Filme: Ekel, One Hour Photo, Lucky Number Slevin, Achteinhalb, A Beautiful Mind, Shutter Island, Inception und eine Folge der Serie Masters of Sex

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Danksagung
  • 1 Einleitung
  • 1.1 Forschungsvorhaben und Arbeitshypothesen
  • 1.2 Der Untersuchungsgegenstand
  • 1.3 Aufbau der Arbeit
  • 2 Die determinierte Überraschung als narrative Struktur und Rezeptionserlebnis
  • 2.1 Die «vordeterminierte Überraschung» nach Elena Esposito
  • 2.2 Die Evolution der Kommunikationsmedien: Internet und Web 2.0
  • 2.3 Spielerische Rezeption versus narrative Rezeption: Kontingenzillusion in linearen Texten
  • 2.4 Spannung, Spaß und Spiel – Der Interaktivitätsbegriff abgeleitet vom Spielbegriff
  • 2.5 Paradigmenwechsel im Rezipientenverhalten in den 2000er-Jahren?
  • 2.6 Das Rätsel als Chimäre zwischen Spiel und narrativer Struktur
  • 2.7 Zum Erfolg von Rätselstrukturen in Unterhaltungsmedien
  • 2.8 Zusammenfassung
  • 3 Erzählerische Unzuverlässigkeit in Literatur und Film
  • 3.1 Einführung
  • 3.2 Synthese kognitiver und rhetorischer Ansätze in der Unzuverlässigkeitsforschung
  • 3.3 Textuelle Merkmale und extratextuelle Referenzschemata
  • 3.4 Die transdisziplinäre arratologische Unzuverlässigkeitsdefinition
  • 3.5 Typen erzählerischer Unzuverlässigkeit in der Literaturwissenschaft und Benennung des Untersuchungsgegenstandes
  • 3.6 Erzählerische Unzuverlässigkeit im Film
  • 3.7 Die Wirkungsweise unzuverlässigen Erzählens in Literatur und Film bei Erst- und Mehrfachrezeption
  • 3.8 Zusammenfassung
  • 4 Werkinterne Definition mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie
  • 4.1 Einführung
  • 4.2 Werkimmanente Definition von Narrativität als Voraussetzung einer filmnarratologisch-werkinternen Analyse erzählerischer Unzuverlässigkeit
  • 4.3 Das Instanzenmodell nach Markus Kuhn
  • 4.4 Wer erzählt unzuverlässig?
  • 4.5 Definition des determinierten «twist» als Erzählstrukturund Alleinstellungsmerkmal mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie
  • 4.6 Werkinterne Merkmale: Verschleiern und Vorbereiten
  • 4.7 Werkintern darstellbare Merkmale: Vergabe von Falschinformationen über die diegetische Realität, Unterschlagung von Informationen über den faktischen Bewusstseinszustand der Figur und spezifisches Rezeptionserlebnis
  • 4.8 Zusammenfassung der werkinternen Merkmale mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie
  • 5 Abgrenzung mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie von verwandten Phänomenen: Mischformen und Grenzfälle
  • 5.1 Einführung
  • 5.2 Zuverlässige versus unzuverlässige mentale Metadiegesen und Abgrenzung vom zuverlässig erzählten Kriminalfilm mit «final twist» (Whodunit)
  • 5.3 Unzuverlässiges Erzählen im Film versus doppelt fiktionales Spiel im Spiel
  • 5.4 Mischformen aus unzuverlässigem Erzählen und doppelt fiktionalem Spiel im Spiel
  • 5.5 Unzuverlässige sprachliche Metadiegesen versus doppelt fiktionales Spiel im Spiel
  • 5.6 Mimetisch teilweise unzuverlässiges Erzählen als unzuverlässiger Effekt in zuverlässig erzählten Filmen
  • 5.7 Der zuverlässige latente visuelle Ebenenkurzschluss und der unzuverlässige wirksame visuelle Ebenenkurzschluss
  • 5.8 Zuverlässige und unzuverlässige innere Metalepsen
  • 5.9 Zuverlässige äußere Metalepsen und Mise en abyme-Strukturen
  • 5.10 «Underreporting», Binnenunzuverlässigkeit und Formen der Ellipse mit Unzuverlässigkeitseffekt
  • 5.11 Mimetisch unentscheidbares Erzählen
  • 5.12 Zusammenfassung
  • 6 Typologie mimetisch teilweise unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie anhand des zentralen «twist» – Analyse und Dekonstruktion des «final plot twist»
  • 6.1 Einführung
  • 6.2 Szenische Unzuverlässigkeit mit sofortiger Auflösung (Typ I)
  • 6.3 Szenische Unzuverlässigkeit mit Auflösung im «final twist» (Typ II)
  • 6.4 Szenische und sequenzielle Unzuverlässigkeit ohne Auflösung (Typen III+IV)
  • 6.5 Sequenzielle Unzuverlässigkeit mit sofortiger Auflösung (Typ V)
  • 6.6 Sequenzielle Unzuverlässigkeit mit Auflösung im «final twist» (Typ VI)
  • 6.7 Erzählerische Unzuverlässigkeit bis zum «mid point» mit sofortiger Auflösung (Typ VII)
  • 6.8 Erzählerische Unzuverlässigkeit bis zum «mid point» mit Auflösung im «final twist» (Typ VIII)
  • 6.9 Erzählerische Unzuverlässigkeit bis zum «mid point» ohne Auflösung (Typ IX)
  • 6.10 Erzählerische Unzuverlässigkeit bis zum «final twist» mit Auflösung (Typ X)
  • 6.11 Erzählerische Unzuverlässigkeit bis zum «final twist» ohne Auflösung (Typ XI)
  • 6.12 Tabellarischer Überblick: Formen unzuverlässigen Erzählens in Film und Serie
  • 6.13 Zusammenfassung
  • 7 Schlussbetrachtungen
  • 7.1 Reflexion zur Theoriebildung
  • 7.2 Reflexion zum Praxisteil
  • 7.3 Der unzuverlässig erzählte Film als Rätselfilm
  • 7.4 Fazit und Ausblick: Kontingenz als stabiler Unterhaltungskern
  • 8 Werkverzeichnisse
  • 8.1 Filmografie
  • 8.2 Web-Serien, TVSerien und -Reihen
  • 8.3 Computerspiele
  • 8.4 Alternate Reality Games
  • 8.5 Literaturverzeichnis
  • 8.6 Abbildungsverzeichnis

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