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Melodramatischer Eskapismus

Affekt-Ökonomien und Exit-Optionen bei Sirk, Fassbinder, Akin

Amadeus Haux

Diese Publikation zitieren

Amadeus Haux, Melodramatischer Eskapismus (2018), Schüren Verlag, Marburg, ISBN: 9783741000782

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

"Motion is emotion". Dieses prononcierte Diktum des Regisseurs Douglas Sirk gilt für kein Film-Genre so sehr wie für das Melodram, das er mit seinem Inszenierungsstil nachhaltig prägte. An epochemachenden Erfolgsfilmen, mit denen sich das Genre in seiner ästhetischen Ausrichtung und politischen Positionierung teilweise neu erfindet, untersucht die Studie den Konstrukt-Charakter des Melodrams im Rahmen seiner Produktionsbedingungen und Rezeptionsvoraussetzungen.

Der aus Deutschland in die USA migrierte Douglas Sirk lanciert unter den Restriktionen der McCarthy-Politik und dem Druck medialer Veränderungen mit Magnificent Obsession (1954) einen Kassenschlager, in dem eskapistisch angelegte Szenen dem Aufschub von Wunscherfüllung zuarbeiten. Geschult an der Filmkunst Sirks verbindet Rainer Werner Fassbinder in Angst essen Seele auf (1974) ideologiekritische Positionen des Neuen Deutschen Films mit einer manierierten Verfremdungsästhetik zu einer unverkennbaren Regiehandschrift. Fatih Akın, der sich in seinem Filmschaffen an der Ästhetik von Hollywoodfilmen und Videoclips orientiert, buchstabiert vor dem Hintergrund virulenter Integrationsdebatten in Gegen die Wand (2004) Fluchtimpulse exzessiv melodramatisch aus und wird für sein Filmschaffen 2014 mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet.

Die exemplarischen Analysen entwickeln unter der Begriffsprägung melodramatischer Eskapismus ein Strukturmodell, wonach Filme des Genre ihr suggestives Potential über Fluchtbewegungen und Bewertungsführungen, Konstruktionen einer intimitätsstiftenden Vierten Wand, Techniken der filmischen Intensivierung und aufschiebende Ideal-Sequenzen entfalten. Die den melodramatischen Eskapismus kennzeichnenden Fluchtbewegungen in Wunschwelten und zugleich tiefgreifende Gefühlsbewegungen eröffnen in ihren Exit-Optionen medienkritische Perspektiven auf die Affekt-Ökonomien global zirkulierender Filmproduktionen.

Beschreibung

Amadeus Haux, Jahrgang 1989, studierte Deutsche Literatur, British and American Studies und Jura in Konstanz, London und Berlin. Mit der vorliegenden MA-Arbeit im Fach Deutsche Literatur wurde er für den Humboldt-Preis nominiert.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • 1 Einleitung: Gefühlsbewegung
  • 1.1 Melodram-Konstrukte: Sirks Magnificent Obsession (1954),Fassbinders Angst essen Seele auf (1974), Akins Gegen dieWand (2004)
  • 1.2 Das Melodram: Konfiguration eines Genres
  • 1.3 Melodramatischer Eskapismus
  • 1.4 Affekt-Ökonomien und Exit-Optionen
  • 2 Sirk: Magnificent Obsession
  • 2.1 Produktion: Sirk in der Traumfabrik Hollywood
  • 2.2 Offene Rechnungen – Schulddynamiken
  • 2.3 Inszenierte Intimität – Mit blinden Augen sehen
  • 2.4 Verdichtung der Gefühlsbewegung
  • 2.5 Tomorrow – Wunschkonstrukte
  • 2.6 Rezeption: Ein Raum zum Weinen
  • 3 Fassbinder: Angst essen Seele auf
  • 3.1 Produktion: Fassbinders schnulziger Widerstandskampf
  • 3.2 Bewertungen und Beschämungen
  • 3.3 Die Enge des Privaten
  • 3.4 Blockierte Melodramatik
  • 3.5 «Tja, viel Glück auf alle Fälle» – Jenseits der Enge
  • 3.6 Rezeption: Verunsichernder Stil
  • 4 Akin: Gegen die Wand
  • 4.1 Produktion: Aus der Innensicht
  • 4.2 Unrecht / Schuldökonomien
  • 4.3 Vertraute Fremdheit
  • 4.4 Insistieren / Verdichten – After Laughter Comes Tears
  • 4.5 Am anderen Ort / Aufschub
  • 4.6 Rezeption: Authentische Einblicke
  • 5 Schluss: Eskapistische Zuschauer
  • 5.1 Bewertungsführung
  • 5.2 In die Intimsphäre eindringen
  • 5.3 Empathielenkung: Affekt-Überschüsse
  • 5.4 ‹Cinema seat traveller›
  • 5.5 Rezeptionsangebote
  • Anhang
  • Filmverzeichnis
  • Literaturverzeichnis
  • Online-Quellen
  • Abbildungsnachweis

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