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Leoš Janácek

Diese Publikation zitieren

Leoš Janácek (2015), edition text+kritik, 81673 München, ISBN: 9783967072891

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Leoš Janácek, geboren am 3.Juli 1854 im nordostmährischen Dorf Hukvaldy [Hochwald], südlich von Ostrava [Mährisch-Ostrau], als neuntes von 14 Kindern, kam 11jährig als Stipendiat ins Augustiner-Kloster in Alt-Brünn. (Der Vater starb ein Jahr später; er war Lehrer und Organist gewesen und hatte den Kontakt zum Komponisten und Chorleiter am Augustiner Stift, Pavel Krížkovský, hergestellt.) 1866–69 besuchte Janácek die deutsch-sprachige städtische Realschule, 1869–72 die slawische Lehrerbildungsanstalt. Er wurde Lehrer für Geschichte und Geographie »unter Berücksichtigung der tschechischen Sprache«. Als Chorknabe in der Klosterschule hatte er regelmäßigen Musikunterricht in Gesang und Orgel erhalten. Nach einem Lehrgang an der Prager Orgelschule (1874/75) war er in Brno [Brünn] Musiklehrer für Gesang, Orgel und Klavierspiel, 1878 kam die Violine hinzu. Mit den Studien an den Konservatorien von Leipzig (Okt. 79–Febr. 80) und Wien (April-Mai 80), die er vorzeitig abbrach, war seine Ausbildung abgeschlossen. Er hatte sich auch mit Psychologie und Ästhetik beschäftigt, v.a. mit den Werken von Hermann von Helmholtz (1863), Wilhelm Wundt (1874), Josef Durdík (1875) und Robert Zimmermann (1865).

Janácek wirkte dann in Brünn: Er dirigierte Chorensembles, trat als Pianist auf, formierte ein Orchester, schrieb Kritiken und theoretische Werke, gründete eine Musikzeitung sowie die Brünner Orgelschule. Die Freundschaft mit Antonín Dvorák prägte seine Konzertprogramme. Die ersten Kompositionen für Chor entstanden zwischen 1870 und 1876, für Streichorchester 1877 und 1878. Zu seinem eigenständigen Stil aber kam er erst nach intensiven Volksmusikstudien und der daraus resultierenden Beschäftigung mit der Melodie der gesprochenen Sprache. In der Kantate Amarus (1897) ist der reife Stil erstmals deutlich hörbar.

Janácek wurde außerhalb von Brünn vorerst nicht anerkannt, in Prag betrachtete man ihn als Provinzgröße und als knorrigen Volksmusik-Spezialisten. Die familiäre Situation nach der Heirat mit der 16jährigen Zdenka Schulz 1881 und dem Tod der beiden Kinder, Vladimír (1888–1890) und Olga (1882–1903), war belastet durch die Spannung zwischen der betont slawischen Orientierung Janáceks und der deutsch-österreichischen Ausrichtung der Familie seiner Frau. Die Isolation führte zu einer Identitätskrise in den Jahren vor dem 1.Weltkrieg. Dem setzten die Aufführungen seiner dritten Oper Její pastorkyna [Jenufa] 1916 in Prag und 1918 in Wien (UA Brünn 1904) und (Mitte Juli 1917) die Bekanntschaft mit der 38 Jahre jüngeren Kamila Stösslová (1891–1935) ein Ende; ebenso begeisterte ihn die Entstehung des tschechoslowakischen Staates: Von 1917 an entstand ein Werk nach dem anderen; die ersten Aufführungen im Ausland folgten (Köln, New York, Berlin). Als 70jähriger war er ein bekannter Komponist und wurde der Avantgarde zugezählt; er erhielt ehrenvolle Auszeichnungen, wurde nach England eingeladen und kam noch in den Genuß seiner weltweiten Anerkennung, bevor er am 12.August 1928 in Ostrava an einer Erkältung (nach nur zweitägigem Spitalaufenthalt) starb.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Impressum
  • Inhalt
  • Leoš Janácek, Der Weg ins Bewußtsein
  • Peter Gülke, Versuch zur Ästhetik der Musik Leoš Janáceks
  • Max Brod, Sprache wird Musik. Drei Notate
  • Leoš Janácek, Sprechmelodien
  • Dietmar Holland, Kompositionsbegriff und Motivtechnik in Janáceks Streichquartetten
  • Dieter Schnebel, Das späte Neue Versuch über Janáceks Werke von 1918–1928
  • Kerstin Lücker/Michael Reudenbach, Impuls und Korrektur. Beobachtungen zu Im Nebel IV von Leoš Janácek
  • Michael Beckerman, Die Burg in der Mitte Janácek, Fanfaren und die Sinfonietta
  • Rainer Riehn, Werkverzeichnis
  • Rainer Riehn/Charlotte Lagoda, Auswahlbibliographie
  • Charlotte Lagoda, Auswahldiskographie

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