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Einander ausgesetzt - Der Andere und das Soziale

Elemente einer Topografie des Zusammenlebens

Burkhard Liebsch

Diese Publikation zitieren

Burkhard Liebsch, Einander ausgesetzt - Der Andere und das Soziale (2019), Verlag Karl Alber, Freiburg, ISBN: 9783495817414

Beschreibung / Abstract

"Sozial" leben wir nur dank Anderer, in einer Normalität, die das weitgehend in Ver¬gessenheit geraten lässt, sodass man sich fragt, ob man nicht auch ohne sie auskommen kann ‒ sei es in Formen weltflüchtigen Daseins, sei es in einem Wohlstand, der sich die Andern vom Leib hält. Alle Formen der Distanznahme setzen aber eine vorgängige Veranderung des eigenen Selbst voraus, die es Anderen aussetzt und auf sie angewiesen sein lässt. Dieses Ausgesetzt- und Angewiesensein zwingt dazu, die in ihm liegenden Herausforderungen politisch anzunehmen ‒ auch um den Preis einer Gewaltsamkeit, die menschliche Lebensformen und ihre viel gelobte "Offenheit" zu ruinieren droht. Das zweibändige Projekt Einander ausgesetzt entwirft in historischer Perspektive eine Theorie des Sozialen, die von einem starken Begriff unaufhebbarer Alterität ausgeht und diesen mit einer komplexen Topografie menschlicher Lebensformen verschränkt und soweit deutlich macht, wie man einander ausgesetzt ist ‒ von Geburt an und in Horizonten der Verletzbarkeit, die bis hin zu neuen Kriegen detailliert bedacht werden. So dient das Projekt der "Erfassung des Wirklichen" (Hegel), ohne das es ein kritisches "Ergründen des Vernünftigen" nicht geben kann. Es handelt sich um den Versuch zu zeigen, was Sozialphilosophie heute leisten kann und muss.

Beschreibung

Burkhard Liebsch, Prof. Dr., lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig. Weitere Arbeitsschwerpunkte: Praktische Philosophie und Sozialphilosophie in kulturwissenschaftlicher Perspektive; Philosophie der Geschichte, Phänomenologie, Hermeneutik. Jüngste Buchveröffentlichungen u. a.: Gegebenes Wort oder Gelebtes Versprechen (2008); Für eine Kultur der Gastlichkeit (2008); Menschliche Sensibilität (2008); Bezeugte Vergangenheit ­oder Versöhnendes Vergessen. Geschichtstheorie nach Paul Ri­cœur (Hg., 2010); Renaissance des Menschen. Zum polemologisch-anthropologischen Diskurs der Gegenwart (2010).

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Inhalt Band II
  • Einleitung: Zur ›zwischenzeitlichen‹ Topografie des Sozialen
  • Teil D: Generativität, Solidarität, Gemeinschaft
  • Kapitel XV: Generativität, Generationen und generative, intergenerationelle Solidarität. Leben nacheinander, auseinander und füreinander in unabsehbarer Geschichtlichkeit
  • 1. Das polemische Verhältnis zwischen Generationen heute
  • 2. Rückgang von der Generation auf die menschliche Generativität
  • 3. Menschliche Generativität als Archetyp eines verantwortlichen/solidarischen Verhältnisses zwischen Generationen?
  • Kapitel XVI: Originäre Solidarisierung und politische Sensibilität
  • 1. Rhetorik der Solidarität und Verlangen nach Solidarisierung
  • 2. Solidarität: Pseudo-Solidität vs. originäre Solidarisierung
  • 3. Zur (De-)Politisierung der Solidarität: Hannah Arendt
  • 4. Apriorische Solidargemeinschaft? Fragen der Begründung
  • Kapitel XVII: Ausgesetzte Gemeinschaft – unter radikalem Vorbehalt. Zur Kritik jeglicher Vergemeinschaftung
  • 1. Fehlende und verfehlte Gemeinschaft
  • 2. Helmuth Plessners Kritik der Gemeinschaft
  • 3. Innere Grenzen jeglicher Vergemeinschaftung
  • 4. Gemeinschaft als oder aus ›Mitsein‹ ?
  • 5. Indifferentes Mitsein, nicht-indifferente Gemeinschaft
  • Teil E: Subjektivierung, Dissens und Anderssein
  • Kapitel XVIII: Menschliche Subjektivität in Praktiken politischer Subjektivierung: Responsivität, Dissens und die prekäre Lebbarkeit menschlichen Lebens
  • 1. Subjekt sein oder subjektiviert werden
  • 2. Immer schon oder neuerdings subjektivierte Subjekte?
  • 3. Von Theorien des Subjekts zu Praktiken der Subjektivierung
  • 4. Zur Übermacht einer ökonomistischen Subjektivierungsform
  • 5. Perspektiven einer politisierenden Subjektivierung
  • Kapitel XIX: Perspektivität, Pluralität, geteilte Welt: Ästhetik, Politik und menschliche Sensibilisierbarkeit
  • 1. Das Sinnliche in seiner perspektivischen Gegebenheit: Vom kompossiblen Universum zur unaufhebbaren Pluralität einer politischen Welt
  • 2. Was heißt »Aufteilung des Sinnlichen« bei Jacques Rancière?
  • 3. Kunst und Politik – zwei »Sensorien«?
  • 4. Kritischer Ausblick
  • Kapitel XX: Demokratie, Dissens und Freimut – der Rede und des Zuhörens
  • 1. Zur aktuellen Demokratietheorie
  • 2. Das Geschehen originärer Politisierung als Subjektivierung
  • 3. Die Stimme und der Freimut der Rede (parrhesía)
  • 4. Macht und Freimut des Zuhörens
  • Kapitel XXI: Von der Angst, ›anders‹ zu sein, zur normalisierten Verschiedenheit? Disability und diversity im Kontext einer Kultur der Differenzsensibilität
  • 1. Verschiedenheit und Differenz politisch gesehen
  • 2. Zur »Politik der Differenz«
  • 3. Disability und diversity
  • 4. Exkurs: Fähigkeiten in ontogenetischer Perspektive
  • 5. »Politik der Differenz« und in der Erfahrung von disability liegende Verschiedenheit
  • 6. Das »Recht auf Anderssein«, tatsächliche Lebenspraxis und das Versprechen der Inklusion
  • Teil F: Vertrauen und Transparenz im Horizont des Politischen
  • Kapitel XXII: Ausgesetztes und sich aussetzendes Vertrauen – in historischer Perspektive
  • 1. Prekäres Vertrauen – vor historischem Hintergrund
  • 2. Aussetzen des Vertrauens
  • 3. Vom persönlichen Vertrauen zum Systemvertrauen: eine entmoralisierte Analyse
  • 4. Vertrauen als Gabe
  • 5. Erneut sich aussetzendes Vertrauen
  • Kapitel XXIII: Transparenz und/oder Vertrauen. Ideen öffentlicher Sichtbarkeit in Zeiten gesellschaftlichen Unfriedens
  • 1. Öffentliche Sichtbarkeit als Politikum
  • 2. Zur metaphorischen Rede von Transparenz
  • 3. Forderungen nach Transparenz nach ruiniertem Vertrauen
  • 4. Vertrauen in Transparenz?
  • 5. Was bedeutet ›Transparenz‹ in politischer Hinsicht?
  • Kapitel XXIV: Politisches Vertrauen in politische(n) Institutionen – mit Blick auf die Geschichte und Gegenwart des Staates
  • 1. Zum aktuellen historischen Kontext der Thematisierung von Vertrauen
  • 2. Negativität als Ausgangspunkt
  • 3. Vertrauen stiften – eine Art Investition?
  • 4. Zur politisch-institutionellen Dimension des Vertrauens: Vertrauen in Vertrauen?
  • Teil G: Schuld und Schulden
  • Kapitel XXV: Schuld – Schulden – Verdanken. Zur Revision des Verhältnisses von Moral und Ökonomie vor aktuellem Hintergrund
  • 1. Moral und Ökonomie, Schuld und Schulden: ursprüngliches, ausdifferenziertes und überkreuztes Verhältnis
  • 2. Schuld als Schulden (ökonomisch) oder Schulden aus Schuld (ethisch)? Friedrich Nietzsche und Emmanuel Levinas
  • 3. Was heißt »schuldig sein«? Zur Ontologie der Schuld
  • 4. Generative, soziale und geschichtliche Schuld im Horizont der Moderne
  • 5. Schuld als nachträglich-responsive Verantwortung
  • Kapitel XXVI: De-moralisierte Gesellschaften – Zwischen Schuld und Schulden. Rückfragen nach einem ursprünglichen, wiederherzustellenden oder neu zu etablierenden Verhältnis von Moral und Gesellschaft
  • 1. Gewaltsame Ökonomisierung?
  • 2. Gesellschaftliche Entmoralisierung und Demoralisierung
  • 3. Ein negativistischer Ansatz
  • 4. Schuld versus Schulden, Moral versus Ökonomie
  • 5. Demoralisierung und Remoralisierung
  • 6. Bilanz/Ausblick
  • Kapitel XXVII: Perspektiven gewaltsamer Ökonomisierung. Schuld(en) zwischen Moralökonomie und Schuldknechtschaft
  • 1. Ausweglose Schuld(en)?
  • 2. Schuld, moralisch
  • 3. Vergesellschaftung und Geld
  • 4. Perspektiven der Schuldknechtschaft
  • Teil H: Horizonte der Verletzbarkeit. Gewalt, Hass und Kriege heute
  • Kapitel XXVIII: ›Der‹ Gewalt ausgesetzt. Zum Sinn der Sprache zwischen Ethik und Politik
  • 1. Gewalt in und versus Sprache
  • 2. Alter und neuartiger Gewalt ausgesetzt – ursprünglich und unabsehbar?
  • 3. Sprache als einzige (vergebliche) Hoffnung?
  • 4. Das ›Wort‹ als Ausweg aus dem Krieg?
  • 5. Frieden als ethischer Sinn der Sprache? Eine Moral, die uns nicht zum Narren hält?
  • 6. Resümee
  • Kapitel XXIX: Andere hassen – Im Horizont weltweiter Vergesellschaftung
  • 1. Hass – eine Absurdität?
  • 2. Hass ›im Schatten‹ weltweiter Vergesellschaftung
  • 3. Hassen – sprachlich-phänomenologisch expliziert
  • 4. Der ›inkonsequente‹ Hass bleibt uns erhalten
  • Kapitel XXX: Dem ›alten‹ Krieg und ›neuen‹ Kriegen ausgesetzt – im Zeichen des Äußersten. Revision der menschlichen conditio historica im Lichte der neueren Gewaltgeschichte?
  • 1. Der Gewalt und dem Krieg ausgesetzt – wie seit jeher? Rückfragen an die conditio humana
  • 2. In der Nähe des Äußersten
  • 3. ›Alter‹ Krieg – ›neue‹ Kriege?
  • 4. Zur Revision der conditio humana historica
  • Epilog
  • Siglen
  • Nachweise
  • Literaturverzeichnis
  • Internetquellen
  • Namenregister
  • Sachregister

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