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Einander ausgesetzt - Der Andere und das Soziale

Bd. I Umrisse einer historisierten Sozialphilosophie im Zeichen des Anderen

Burkhard Liebsch

Diese Publikation zitieren

Burkhard Liebsch, Einander ausgesetzt - Der Andere und das Soziale (2019), Verlag Karl Alber, Freiburg, ISBN: 9783495817421

Beschreibung / Abstract

"Sozial" leben wir nur dank Anderer, in einer Normalität, die das weitgehend in Ver¬gessenheit geraten lässt, sodass man sich fragt, ob man nicht auch ohne sie auskommen kann ‒ sei es in Formen weltflüchtigen Daseins, sei es in einem Wohlstand, der sich die Andern vom Leib hält. Alle Formen der Distanznahme setzen aber eine vorgängige Veranderung des eigenen Selbst voraus, die es Anderen aussetzt und auf sie angewiesen sein lässt. Dieses Ausgesetzt- und Angewiesensein zwingt dazu, die in ihm liegenden Herausforderungen politisch anzunehmen ‒ auch um den Preis einer Gewaltsamkeit, die menschliche Lebensformen und ihre viel gelobte "Offenheit" zu ruinieren droht. Das zweibändige Projekt Einander ausgesetzt entwirft in historischer Perspektive eine Theorie des Sozialen, die von einem starken Begriff unaufhebbarer Alterität ausgeht und diesen mit einer komplexen Topografie menschlicher Lebensformen verschränkt und soweit deutlich macht, wie man einander ausgesetzt ist ‒ von Geburt an und in Horizonten der Verletzbarkeit, die bis hin zu neuen Kriegen detailliert bedacht werden. So dient das Projekt der "Erfassung des Wirklichen" (Hegel), ohne das es ein kritisches "Ergründen des Vernünftigen" nicht geben kann. Es handelt sich um den Versuch zu zeigen, was Sozialphilosophie heute leisten kann und muss.

Beschreibung

Burkhard Liebsch, Prof. Dr., lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig. Weitere Arbeitsschwerpunkte: Praktische Philosophie und Sozialphilosophie in kulturwissenschaftlicher Perspektive; Philosophie der Geschichte, Phänomenologie, Hermeneutik. Jüngste Buchveröffentlichungen u. a.: Gegebenes Wort oder Gelebtes Versprechen (2008); Für eine Kultur der Gastlichkeit (2008); Menschliche Sensibilität (2008); Bezeugte Vergangenheit ­oder Versöhnendes Vergessen. Geschichtstheorie nach Paul Ri­cœur (Hg., 2010); Renaissance des Menschen. Zum polemologisch-anthropologischen Diskurs der Gegenwart (2010).

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Inhalt Band I
  • Inhalt Band II
  • Vorwort
  • Einführung
  • Teil A: Historische Profile des Sozialen
  • Kapitel I
  • 1. Das Soziale als Ideologie der Homogenität und Depolitisierung
  • 2. Das Soziale in historischer Perspektive
  • 3. Radikaler Neuanfang nach zwei Weltkriegen?
  • 4. Verstaatlichung des Sozialen?
  • 5. Für eine Revision des Sozialen
  • Kapitel II
  • 1. Das Soziale: alte und neue Ursprungsfragen
  • 2. Exkurs zu John R. Searles Sozialontologie
  • 3. Zurück zu einer (ahistorischen) existenzialen Sozialontologie? Vom Mitsein (Martin Heidegger) zur conditio historica (Paul Ricœur)
  • 4. Zeugnis und Sozialontologie – in dreifacher Hinsicht
  • 5. Revidiertes Mitsein, co- oder inter-esse
  • Kapitel III
  • 1. Zu einem ethischen Denken, das sich nicht selbst genügt
  • 2. Historisierte Ethik
  • 3. Im geschichtlichen Horizont der Zerstörbarkeit menschlicher Verhältnisse: Gewalt und Lebensform
  • 4. Ansatzpunkte (1–5) eines sozialphilosophischen Negativismus – in ethischer Perspektive
  • 5. Resümee
  • Kapitel IV
  • 1. Existieren wir (noch) oder leben wir längst wieder?
  • 2. Historisierte Existenzphilosophie
  • 3. Soziale (Co-)Existenz?
  • 4. Verändertes Denken der Veranderung: Michael Theunissen und Paul Ricœur
  • 5. Das Prädikat ›sozial‹ – revidiert
  • Teil B: Der Auftritt des Anderen
  • Kapitel V
  • 1. Von der menschlichen Sprache (zurück) zur Stimme des Anderen
  • 2. Die menschliche Stimme
  • 3. Von Charles Taylor (zurück) zu Johann G. Herder
  • 4. Johann G. Herder, Wilhelm v. Humboldt und der Ursprung der Sprache
  • 5. Hören auf den Anderen?
  • Kapitel VI
  • 1. Phänomenologie des Anderen?
  • 2. Offenheit als Ekstase im Sein
  • 3. Der Entzug des Anderen
  • 4. Die Nähe des Anderen – jenseits des Erfahrbaren?
  • 5. An-archische Zugänglichkeit des Anderen
  • Kapitel VII
  • 1. Rechenschaftsverantwortung und Gewissen
  • 2. Gegen eine a-pathische Moralität
  • 3. Bestimmung zur Nicht-Indifferenz
  • 4. Die Instituierung moralischer Subjekte
  • Exkurs
  • 1. Was man sich von der Gabe verspricht
  • 2. Gabe und Ökonomie: umsonst und/oder vergeblich
  • 3. Gibt es die Gabe? Die Gabe als fragwürdige Gegebenheit
  • 4. Die Gabe im Diskurs über die Gabe
  • 5. Zur Annahme der Gabe
  • Kapitel VIII
  • 1. Veränderung und Veranderung
  • 2. Alteritätsvergessenheit und Gewalt
  • 3. Anderes und Andere
  • 4. Irgend ›jemand anderes‹, der Andere und die Geschichte
  • 5. Verschiedenheit, Asymmetrie und Beziehung zum Anderen
  • 6. Unterwerfung unter den Anderen?
  • 7. Unhintergehbare conditio historica: unsere Nachträglichkeit, unsere ›Irre‹
  • Kapitel IX
  • 1. Fragwürdige Berufung auf ›das Gegebene‹
  • 2. Ein ›altes‹ (hermeneutisches) Grundproblem sog. ›Neuer Phänomenologie‹
  • 3. Ein methodologischer Atheismus
  • 4. Religio und religatio unter Verdacht
  • 5. Das Scheitern einer passion du dehors
  • Teil C: Der Widerstand des Anderen
  • Kapitel X
  • 1. Vom Leben zum menschlichen Leib
  • 2. Ansatzpunkte zu einer Philosophie der Leiblichkeit im Denken Paul Ricœurs
  • 3. Maine de Biran
  • 4. Zurück zu Paul Ricœur: Die dem Selbst innewohnende Andersheit und der Widerstand des Anderen
  • 5. Widerstand und Passivität
  • Kapitel XI
  • 1. Kraft und Sinn: Einleitung zum Verhältnis von Rhetorik und Philosophie
  • 2. Von der Widerrede zum Sprachdenken
  • 3. Im dialektischen Für und Wider
  • 4. Widerstand auf dem Weg in die Sprache, in der Sprache und über sie hinaus
  • 5. Zur Negativität sprachlichen Widerstands in der Austragung von Dissens
  • 6. Zur Agonalität verurteilt? Kritik des Widerstandsdenkens
  • 7. Widerstand und Alterität
  • 8. Widerstand im Zeichen des Politischen
  • 9. Ausgesetzte Gemeinschaft – im Zeichen ›unbedingter‹ Demokratie
  • Kapitel XII
  • 1. Macht, andere Macht und ihr Anderes: Widerstand
  • 2. Widerstand und das Gute: Emmanuel Levinas
  • 3. Herrliche oder verherrlichte Macht? Emmanuel Levinas mit Blick auf Giorgio Agamben
  • 4. ›Dämonie‹ der Verantwortung und Selbstentmächtigung
  • Kapitel XIII
  • 1. Macht versus Interpretation – ein irreführender Gegensatz
  • 2. Was bedeutet ›Interpretationsmacht‹&ga;?
  • 3. Friedrich Nietzsches Apologie der Macht als einer Interpretationsmacht
  • 4. Ansatzpunkte einer radikalen Sprachkritik
  • 5. Politische Implikationen radikaler Sprachkritik
  • 6. Revision des Politischen?
  • Kapitel XIV
  • 1. Menschliche Rede: Sagen und Gesagtes im Hinblick auf Macht
  • 2. Was heißt es, nichts bzw. etwas zu sagen oder das Sagen zu haben? Machtkritische Vorüberlegungen
  • 3. Von der modernen Biologie zur menschlichen Generativität
  • 4. Exkurs zu Hermeneutik und Macht
  • 5. Generativität in ›diachroner‹ Perspektive
  • 6. Zukünftiges Leben: an-ökonomisch
  • Anderen ausgesetzt und ausgeliefert?
  • Namenregister
  • Sachregister

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