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Toleranz: einfach schwer

Joachim Gauck

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Joachim Gauck, Toleranz: einfach schwer (2019), Verlag Herder, Freiburg, ISBN: 9783451815287

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Die Lebensentwürfe, Wertvorstellungen, religiösen und kulturellen Hintergründe der Menschen werden immer vielfältiger. Manche erleben dies als Bereicherung, nicht wenige aber als Last. Was muss die Gesellschaft, was muss der Einzelne tolerieren und wo liegen die Grenzen der Toleranz? Wie viel Andersartigkeit muss man erdulden und wie viel Kritik aushalten? In seinem neuen Buch streitet Joachim Gauck für eine kämpferische Toleranz. "Ich war und bin bis heute der Meinung, dass es kein Laisser-faire geben darf gegenüber jenen, die Pluralität und Toleranz mit Füßen treten. Toleranz, die Nachsicht und Duldsamkeit preist gegenüber den Verächtern der Toleranz, hilft den Tätern und nicht den Opfern. Intoleranz gegenüber einer Intoleranz, die Menschen unterdrückt und verachtet, ist eine Haltung von Demokraten im Namen der Menschenwürde." Aus der entschiedenen Überzeugung heraus, dass die Gesellschaft eine deutlichere und bewusstere Debatte über Toleranz benötigt, spürt er den Fragen nach: Was macht Toleranz aus und was macht sie notwendig? Und warum ist Intoleranz heute so populär und attraktiv?

Die großen Themen der Zeit – wie das Erstarken populistischer Parteien, die Debatten in der Migrationspolitik, die Zunahme des Islam in europäischen Gesellschaften, die drohende Klimakatastrophe und die zunehmende Digitalisierung der Welt – bieten viel Angriffsfläche für das Maß dessen, was ein Einzelner bereit ist zu akzeptieren und zu ertragen. Daraus erwachsen Formen des Extremismus und der Intoleranz, die der ehemalige Bundespräsident als die großen Herausforderungen unserer Zeit bezeichnet, denn zum bereits vorhandenen Links- und Rechtsextremismus gesellt sich der islamische Fundamentalismus. Intoleranz jedoch nur denjenigen vorzuwerfen, die extreme Haltungen vertreten, ist kurzsichtig. Die "Intoleranz der Guten" kann ebenso die Gemeinschaft schwächen. Diese politische Korrektheit im Sinne einer politischen und ethischen Orientierung trägt zwar zu gegenseitigem Respekt und Verständigung bei, dennoch müssen kontroverse Diskussionen möglich sein. Dies zeigt sich besonders in Migrationsfragen. Die derzeit größte Zerreißprobe für die individuelle und gesellschaftliche Toleranz ist die hohe Zahl von Menschen, die Schutz in Deutschland und Europa suchen. Kritisch hinterfragt Joachim Gauck, wo die Grenzen der Toleranz erreicht werden.

Der große Demokrat schließt mit einem starken Plädoyer für die Erhaltung und Wahrung von Toleranz als Tugend und als Gebot der politischen Vernunft, die gut ist für jeden Einzelnen und unerlässlich für die Gesellschaft. "Es ist nicht die schlichte Vertrautheit mit dem Eigenen, was uns sicher macht, das Richtige zu verteidigen. Sondern die Gewissheit, dass der Verteidigung wert ist, was allen Menschen zukommt: Würde, Unversehrtheit, Freiheit und Recht. Es wird sich immer und immer wieder lohnen, dafür zu streiten mit Verantwortungsbewusstsein, mit Mut und – mit kämpferischer Toleranz."

Beschreibung

Joachim Gauck, geboren 1940, studierte Theologie und arbeitet viele Jahre als Pastor; Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur; ab März 1990 Abgeordneter für das Bündnis 90 in der zum ersten Mal frei gewählten Volkskammer; von 1991 bis 2000 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR; 2012 bis 2017 elfter Präsident der Bundesrepublik Deutschland; zahlreiche Ehrungen, u.a.: Theodor-Heuss-Medaille, Geschwister-Scholl-Preis, Europäischer Menschenrechtspreis, Ludwig-Börne-Preis; Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena, Augsburg, der National University of Ireland/Galway, der Hebrew University of Jerusalem, der Université Paris-Sorbonne sowie der Maastricht University.

Helga Hirsch, geboren 1948, studierte Germanistik und Politologie in Berlin und arbeitet seit 1985 als freie Journalistin, unter anderem für den Westdeutschen Rundfunk, FAZ, Arte, Die Welt, Deutschlandfunkt etc.; Autorin zahlreicher Bücher.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Warum dieses Buch?
  • Was macht Toleranz notwendig?
  • Frühere eigene Erfahrungen mit Toleranz und Intoleranz
  • Zum Beispiel: Das Haus I
  • Von notgedrungen zu kostbar: Historische Annäherungen an die Toleranz
  • Das Ende der einheitlichen Weltsicht
  • Vom Zwang zur Koexistenz zum Minderheitenschutz
  • Die Intoleranz der ehemaligen Häretiker
  • Die Trennung von Staat und Religion
  • Von der Toleranz des Staates zur Toleranz zwischen den Menschen
  • Die Unterdrückung am Pranger
  • Die Ausweitung der Toleranz
  • Die rechtliche Sicherung eines erweiterten Toleranzgebots
  • Was ich unter Toleranz verstehe: 12 Aspekte
  • Am Beginn einer neuen Epoche: (In)Toleranz in Zeiten des Umbruchs
  • Die Repräsentanzlücke
  • Desillusionierung oder: Kein Ende der Geschichte
  • Gegenbewegung
  • Die Gesellschaft sortiert sich neu
  • Erweiterungen und Grenzen: Wie viel Toleranz lässt sich lernen?
  • Toleranzfähigkeit – je nach individueller Disposition
  • Die Angst vor dem Wandel berücksichtigen
  • Kollektiver Nachholbedarf in Sachen Toleranz
  • Wie viel Toleranz gegenüber Intoleranten? Über den Umgang mit extremistischen Auffassungen
  • Die neuen und die alten Rechten
  • Keine Toleranz gegenüber Rechtsradikalen
  • Repressive Toleranz
  • Rechts ist nicht rechtsradikal
  • Das Feld des Nationalen nicht den Extremisten überlassen
  • Falsche Nachsicht gegen linke Gewalt
  • Unterschätzter Islamismus?
  • Verhärtete radikale Milieus unter Muslimen
  • Islamistisch und islamisch
  • Antisemitismus: Für einen differenzierten Umgang
  • Aufklärung hilft
  • Die Intoleranz der Guten: Wenn politische Korrektheit zum Problem wird
  • Betreutes Sprechen
  • Politische Korrektheit auf dem Vormarsch
  • Die Grenzen der öffentlichen Regulierung
  • Identitätspolitik – gerechter oder spalterisch?
  • Welche Identität(en) wollen wir?
  • Wenn Partikularismus die Oberhand gewinnt
  • Die Rolle als Opfer: identitätsstiftend?
  • Offenheit und Wertebewusstsein: Toleranz in der Einwanderungsgesellschaft
  • Fremdenfeindlichkeit verschwindet nicht
  • Wie viel Zuwanderung nützt unserem Land?
  • Wer gehört dazu?
  • Multikulturalismus: Über die Grenzen der Toleranz
  • Migrantische Intoleranz: Interne Restriktion
  • Von der Kraft unserer Werte
  • Zum Beispiel: Das Haus II
  • Für eine kämpferische Toleranz
  • Dank
  • Anmerkungen

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