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Der "am"-Progressiv im Pennsylvaniadeutschen

Grammatikalisierung in einer normfernen Varietät

Adam Tomas

Cite this publication as

Adam Tomas, Der "am"-Progressiv im Pennsylvaniadeutschen (2018), Narr Francke Attempto, 72070 Tübingen, ISBN: 9783823391388

Beschreibung / Abstract

Die Hauptfragestellung dieser Publikation bezieht sich auf die Betrachtung aller grammatikalischen Konstruktionen nach dem Typus seinFINTUM+am+VINF, auch als die Verlaufsform oder der am-Progressiv bekannt. Die Verlaufsform (Egon ist am lesen) gilt anhand der in letzter Zeit gestiegenen linguistischen Beiträge als eines der interessantesten und sehr oft beschriebenen Grammatikalisierungsphänomene. Dennoch ist die Anwendung der Verlaufsform im schriftsprachlichen Sprachgebrauch stark sanktioniert und durch die normativen Regelwerke ausgeschlossen. Dies legt den Schluss nahe, dass es sich bei der verhinderten Grammatikalizität dieser Formen um sozio-linguistische Gründe handeln muss und nicht um morpho-syntaktische, wie oft angenommen wurde. Aus der Sicht des Autors ist diese Stigmatisierung dem starken Einfluss der Normierungstendenzen geschuldet.
Die sprachlichen Beispiele aus dem Pennsylvania-Deutschen (PeD), der Sprache einer deutschstämmigen und deutschsprachigen Minderheit in den USA, zeigen ein breites Paradigma der unterschiedlichen Anwendungsbeispiele der am-Progressiv-Konstruktionen.
Durch eine gezielte Befragung von Informanten kann man die grammatischen Tendenzen und den Entwicklungsstand einer Sprache in punkto Aspektsprache näher definieren. Tomas Untersuchung nähert sich diesem morpho-syntaktischen Phänomen aus der Perspektive der Sprachinselforschung. In der Sprachinselforschung fehlen oft normative Standards, sodass eine Koexistenz von unterschiedlichen grammatischen Parallelformen und eine deskriptive (non-präskriptive) Sprachnorm begünstigt werden.
Die schon über Jahrhunderte präsente am-Progressiv-Konstruktion ist im PeD weiterhin produktiv und erschließt neue Wege, grammatische Ausdrucksmittel z.B. im Bereich Tempus (Di Anne is/woah d Äppl am schäla) oder Genus Verbi (Di Häusa sin am gbaut warre) zu produzieren. Diese sich etablierenden Progressiv-Konstruktionen sind ein einmaliger Nachweis einer paradigmatisierten grammatischen Einheit, welche es im Standarddeutschen nicht gibt.

Beschreibung / Abstract

Es ist verwunderlich, dass der Gebrauch der sog. Verlaufsform (sein+am+V) äußerst facettenreich ist und in der Schriftsprache dennoch gemieden wird. Ein Satz wie Egon ist ein Buch am lesen eröffnet dem Deutschen den Bereich der verbalen Aspektualität. Die am-Konstruktionen werden in der Allgemeinheit aber mit großer Skepsis beurteilt, indem sie als sprachliche Normabweichung gelten. Solch eine Sichtweise ist aus dem Blickwinkel des Autors nicht länger haltbar. Das Pennsylvaniadeutsche (PeD), die Sprache der deutschstämmigen Amischen in den USA, bietet zielführende Hinweise. Das PeD hat bislang keine präskriptive Normierung hervorgebracht, sodass sich ein vollständiges morphologisches Paradigma der Verlaufsform etabliert hat. Der am-Progressiv ist ein einmaliger Nachweis einer grammatikalisierten Einheit, welche es in keiner westgermanischen Sprache in dieser Form gibt, außer im Englischen.

Beschreibung

Adam TOMAS studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Germanistik, Anglistik und Computerlinguistik. Er arbeitet seit 2002 als Sprachdozent für Deutsch als Fremdsprache in München. Die aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Sprachkontaktforschung, historische Syntax und Variationssyntax.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Inhalt
  • Danksagung
  • Abkürzungsverzeichnis / Grammatische Kategorienlabels
  • 1. Einleitung
  • 2. Forschungsstand zu Aspekt, Aspektualität und Progressiv
  • 3. Arbeitsdefinition zu Aspektualität
  • 4. Zum am-Progressiv und seinen Komponenten
  • 5. Die Datenerhebung in den USA
  • 6. Der am-Progressiv durch die Verbalkategorien
  • 7. Die Passiv-Diathese und der am-Progressiv
  • 8. Schlussbetrachtungen
  • 9. Literaturverzeichnis
  • 10. Anhang
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis

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