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Mit Lanzetten durch den practical turn

Zum Wechselspiel zwischen Mensch und Ding aus archäologischer Perspektive

Stefan Schreiber und Kerstin P. Hofmann

Diese Publikation zitieren

Stefan Schreiber, Kerstin P. Hofmann, Ulrich Veit(Hg.), Mit Lanzetten durch den practical turn (2013), Waxmann Verlag, 48159 Münster, ISSN: 0012-7477, 2011 #2, S.163

Beschreibung / Abstract

Über die Funktion und Bedeutung der als Leitform des Nordischen Kreises angesprochenen jungbronzezeitlichen Lanzetten wird seit langem kontrovers diskutiert. Auffällig ist jedoch, dass der konkrete Umgang mit den Lanzetten bislang kaum thematisiert wurde. Daher wird im vorliegenden Aufsatz, dem practical turn der Kulturwissenschaften folgend, das Wechselspiel zwischen Menschen und Dingen untersucht und ein Modell vorgestellt, welches erlaubt, Menschen und Dinge aufeinander bezogen in sozialen Praktiken symmetrisch zu beschreiben. Es gilt, die Materialität, den Eigensinn und die Affordanz der Dinge in Beziehung zu dem Wissen, der Eignung und der Kompetenz der Menschen zu setzen. Im Anschluss werden die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Ansatzes am Beispiel der Lanzetten erörtert. Die Lanzetten sind sehr widerspenstige Dinge. Ihre potentiellen Verwendungen können zwar mit Hilfe von Affordanz und Eigensinn umrissen werden, die tatsächlichen, in den archäologischen Fundkontexten überlieferten Praktiken sind aber weitgehend auf ihre Deponierung im Grab beschränkt. Aufgrund ihrer geringen physikalischen Tauglichkeit und ihrer zahlreichen Bedeutungsübertragungsangebote liegt vor allem eine Verwendung als Ikon nahe. Die Artefaktkategorie ›Lanzette‹ erwies sich für praxeologische Untersuchungen letztlich jedoch als ungeeignetes archäologisches Konstrukt. Die ergänzende praxeologische Perspektive führt unweigerlich zum Hinterfragen von Klassifikationen und statt einer einseitigen Fokussierung auf die Herstellungsintention zur stärkeren Berücksichtigung des Umgangs mit den Dingen. So werden neben quellenkritischen Überlegungen neue Fragen und bisher unbeachtete Probleme aufgeworfen, aber vor allem ein besseres Verständnis der komplexen Mensch-Ding-Beziehungen gefördert.

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