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Von der Postmoderne zum practice turn: Für ein neues Verständnis des Mensch-Ding-Verhältnisses in der Archäologie

Philipp W. Stockhammer

Diese Publikation zitieren

Philipp W. Stockhammer, Ulrich Veit(Hg.), Von der Postmoderne zum practice turn: Für ein neues Verständnis des Mensch-Ding-Verhältnisses in der Archäologie (2013), Waxmann Verlag, 48159 Münster, ISSN: 0012-7477, 2011 #2, S.188

Beschreibung / Abstract

Weder die Prozessuale noch die Postprozessuale Archäologie konnten mit ihrem Verständnis des Mensch-Ding-Verhältnisses dem Verflochtensein der Menschen und der Dinge gerecht werden. Beiden liegt die anthropozentrische Annahme zugrunde, dass dieses Verhältnis wesentlich von menschlicher Intentionalität bestimmt ist. Das Ding-Mensch-Verhältnis wird dabei allein vom Menschen her gedacht. Die material culture studies und die workplace studies haben in den letzten Jahren jedoch gezeigt, wie Dinge Handlungen auslösen bzw. selbst Handlungsträger sein können und bieten somit ein empirisches Korrelat zum Habituskonzept Pierre Bourdieus und der Aktor-Netzwerk-Theorie Bruno Latours. Ich denke, dass die Zeit reif ist, den practice turn der Kultur- und Sozialwissenschaften auch in der Archäologie zu vollziehen. Dies bedeutet kein Verwerfen der prozessualen und postprozessualen Ansätze, sondern deren Ergänzung um wichtige Erkenntnisse: Zwischen Mensch und Ding herrschen komplexe Verflechtungen, die auf gegenseitigen Abhängigkeiten beruhen. Menschen verfolgen mit den Dingen vielfältige Intentionen, fühlen sich aber auch durch die Dinge zum Handeln bewegt bzw. gedrängt. Menschen kommunizieren durch Objekte, aber auch mit Objekten im Rahmen sozialer Praktiken. Im zweiten Teil meines Beitrages zeige ich am Beispiel der Aneignung ägäischer Keramik an der spätbronze- und früheisenzeitlichen südlichen Levante, welche transformative Kraft dem Mensch-Ding-Verhältnis im Rahmen von Aneignungsprozessen erwächst.

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