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Körpergewicht und BMI bezeugen einen hohen Lebensstandars im europäischen Mittelalter

Doppelausgabe 1 / 2

Frank Siegmund

Diese Publikation zitieren

Frank Siegmund, Ulrich Veit(Hg.), Körpergewicht und BMI bezeugen einen hohen Lebensstandars im europäischen Mittelalter (2012), Waxmann Verlag, 48159 Münster, ISSN: 0012-7477, 2010 #1, S.258

Beschreibung / Abstract

Die in der Evolutionsbiologie entwickelten Formeln zur Schätzung des Körpergewichts anhand des Femurkopfes (Ruff u. a. 1991; McHenry 1992; Grine u. a. 1995; Auerbach/ Ruff 2004) werden im folgenden Beitrag systematisch auf mittelalterliche Skelettserien aus Mitteleuropa angewendet. Für 33 Serien des 4.–15. Jahrhunderts mit insgesamt 1349 geschlechts- und altersbestimmten Individuen (718 Männer, 631 Frauen) werden das Körpergewicht, die Körperhöhe und der Body Mass Index (BMI) geschätzt. Eine Diskussion der Schätzformeln lässt die Spanne möglicher Fehler erkennen sowie jene Lösung, die der historischen Wirklichkeit am nächsten kommt. Danach lag im Mittelalter das mittlere Körpergewicht der Männer bei 71 kg, der Frauen bei 59 kg, der mittlere BMI bei 25,5 bzw. 24,5. Diese Ergebnisse lassen auf einen guten Lebensstandard im Untersuchungszeitraum schließen. Die Schätzergebnisse werden differenziert nach Alterskohorten, sozialen Statusgruppen und einzelnen Zeitabschnitten innerhalb des Mittelalters. Vom Früh- zum Spätmittelalter wuchs der BMI im Mittel um 1,0 (?) bzw. 1,1 (?) kg/m2, da die Menschen zugleich im Mittel um 3,2 (?) bzw. 2,9 (?) cm kleiner wurden. Der Vergleich von Körperhöhe, Gewicht und BMI zeigt an, dass im frühen Mittelalter Kinder und Jugendliche einen höheren Lebensstandard hatten als im 8.–15. Jh. Der sehr unterschiedliche Reichtum der Grabbeigaben in der Merowingerzeit hängt bei den im erwachsenen Alter Verstorbenen nicht mit einem unterschiedlichen Lebensstandard zusammen.

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