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Erziehung als 'Entfehlerung'

Weltanschauung, Bildung und Geschlecht in der Neuzeit

Beschreibung

Kann man mit Erziehung die Welt verbessern? Die Geschichte der Pädagogik zeigt, dass gerade die Hoffnung auf ein besseres und ‚glückseliges‘ Gemeinwesen zu allen Zeiten Movens pädagogischen Engagements gewesen ist. Vor allem im Kontext christlicher Reformansätze oder gnostischer Interpretationen des Christentums kam es spätestens zu Beginn der Neuzeit zu einer starken, meist auch geschlechtsspezifisch konnotierten Orientierung am Subjekt und dessen Wandelbarkeit durch Erziehung. Pädagoginnen und Pädagogen glaubten hier den Schlüssel zur ‚Entfehlerung‘ der Welt (J.A. Comenius) entdeckt zu haben. Diese Vorstellung konkretisierte sich in zahlreichen
Erziehungskonzepten und führte in der Folge zu einer ‚Theologisierung‘ der Pädagogik. Ihre Emanzipation von den religiösen Instanzen in einer vermeintlich ‚säkularen‘ Welt führte keinesfalls zum Verschwinden dieser theologischen Strukturen. Sie setzten sich vielmehr ohne ihren dogmatischen Bezug fort.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes analysieren die sakralen Momente exemplarischer subjektorientierter Bildungskonzepte und fragen dabei vor allem danach, wie diese traditionelle Geschlechterkonstruktionen bestätigt oder in Frage gestellt haben. Die Perspektive der ‚longue durée‘ vom 17. bis zum 21. Jahrhundert illustriert dabei die offenbar ungebrochene Produktivität des theologischen Paradigmas in der Erziehung bis in die Gegenwart.

Beschreibung

Die Beiträge analysieren die sakralen Momente exemplarischer subjektorientierter Bildungskonzepte und fragen dabei vor allem danach, wie diese traditionelle Geschlechterkonstruktionen bestätigt oder in Frage gestellt haben.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

  • Anne Conrad Alexander Maier (Hrsg.): Erziehung als ‚Entfehlerung‘
  • Impressum
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Alexander Maier: Das eschatologische Motiv der 'Entfehlerung' im pädagogischen Kontext. Zur Einleitung
  • 1. Teil: "Entfehlerung" in heterodoxen und esoterischen Konzepten von der Frühen Neuzeit bis zur Romantik
  • Anne Conrad: Erlösung durch erkenntnis, "Entfehlerung" durch Wissen. Zur religiös-esoterischen Fundierung neuzeitlicher Bildungskonzepte
  • Ernst Rohmer: Spracharbeit und Seelenheil im 17. Jahrhundert
  • Joseph S. Freedman: Pedagogy (Teaching and Learning), Christianity, Physics, Hermetics, and Gender in the Writings of Heinrich Nollius (ca. 1582-1626)
  • Lucinda Martin: Pietistische Briefe als Mittel der Erziehung in radikal pietistischen philadelphischen Kreisen um 1700
  • Fritz Osterwalder: Die Erziehung der "starken Frau" als "Entfehlerung" der Familie -Geschlecht und Erziehung um Port-Royal
  • Martina Bär: Selbstwerdung und Gottebenbildlichkeit. Der relationale Bildungsbegriff des frühen Friedrich Schlegel
  • 2. Teil: Pädagogisierung von Theologie oder Theologisierung von Pädagogik?
  • Katrin Moeller: "Die Veredelung der Frauen!" Höhere Töchterbildung und öffentliche Teilhabe als Projekt gesellschaftlicher Wohlfahrt und Neuordnung der Gesellschaft (Halle/Saale, 1750-1850)
  • Heinrich Richard Schmidt: Philipp Albert Stapfers Erziehungsidee und das Reich Gottes auf Erden
  • Monika Jakobs: Lehrerinnenausbildung im 19. Jahrhundert in der Schweiz: Nation - Konfession - Geschlecht
  • Guido Estermann: Die Rezeption Pestalozzis in der "Katholischen Pädagogik" am Beispiel der Lehrerbildung des Kantons Luzern gegen Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
  • Alexander Maier: Die "Entfehlerung" der Moderne. Katholische Selbstbildung im Quickborn und bei Romano Guardini
  • 3. Teil: Bildung zwischen Säkularisierung und Sakralisierung
  • Rahel KatzensteinFort mit Dogma und Wunderglaube - Religiöse Aufklärung als schulisches "Entfehlerungsprogramm". Die Diskussion um die Abschaffung des konfessionelldogmatischenschulischen Religionsunterrichts im Kanton Zürich um 1870
  • Jean-Marie Weber: Entfehlerung, Erlösung oder begehrendes Subjekt? Wozu sollte die Artikulierung von Psychoanalyse und Pädagogik nützen?
  • Florian Heßdörfer: Optimieren und Erlösen. Heilsversprechen und Menschenökonomie in der Pädagogik der Potentiale
  • Matthias Wallich: Wissen um das Nichtobjektivierbare – Zum Bildungsbegriff der elementaren/relationalen Theologie
  • Rückumschlag

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