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Menschenwürde und Menschenrechte

Über die Verletzbarkeit und den Schutz der Menschen

Hans Jörg Sandkühler

Diese Publikation zitieren

Hans Jörg Sandkühler, Menschenwürde und Menschenrechte (2016), Verlag Karl Alber, Freiburg, ISBN: 9783495807910

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." Dieser Satz ist ein unbedingt bindender Rechtssatz und die Grundnorm für die nachfolgenden Grundrechte, mit denen die Würdegarantie nicht abwägbar ist. Die Würdenorm gilt aufgrund nationaler Verfassungen und transnationaler Rechtsinstitute wie der EU-Grundrechte-Charta und des internationalen Menschenrechte-Rechts absolut und universell. Dass die menschliche Würde täglich verletzt wird, mindert die Geltung der Norm nicht. Gleichwohl gibt es darüber, ob die Menschenwürde "unantastbar" ist, heftige Auseinandersetzungen. In den im ersten Teil des Buches erörterten Kontroversen wird oft eingewandt, der Begriff werde inflationär missbraucht, ja es gebe eine "Tyrannei der Würde". Wer die Würdenorm aus verfassungsrechtlicher Unkenntnis relativieren wolle, trage zur Entrechtlichung der Ansprüche auf Achtung und Schutz bei. Im historischen zweiten Teil dieses Buches warnt Hans Jörg Sandkühler vor der Fiktion, der moderne Rechtsbegriff der Würde sei aus einer bruchlosen zweitausendjährigen Geschichte zu begründen. Vielmehr haben interessengeleitete ideengeschichtliche Rekonstruktionen die Menschenwürde als Konzept der Stoa, der Renaissance, der Aufklärung oder als christliches Konzept ausgewiesen. Die tatsächlichen Quellen der Menschenwürdegarantie moderner Verfassungen sind die Unrechtserfahrungen des 20. Jahrhunderts. Die von der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte " geprägte Würdenorm ist - so das Ergebnis des dritten Teils des Buches - ein Gegenprogramm zur totalitären Missachtung des Individuums: eine Revolution der Rechtskultur, die es zu verteidigen gilt.

Beschreibung

Hans Jörg Sandkühler, Jahrgang 1940, hat nach dem Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaften 1967 promoviert und sich 1970 habilitiert. 1971 wurde er Professor für Philosophie in Gießen, 1974-2005 in Bremen. 2003-2011 leitete er die deutsche Abteilung Menschenrechte und Kulturen des europäischen UNESCO-Lehrstuhls für Philosophie/Paris an der Universität Bremen.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Inhalt
  • Vorbemerkung
  • Teil I: Der Begriff der Menschenwürde
  • 1. ›Menschenwürde‹ als dynamischer Begriff
  • 1.1 Historische Erinnerungen an den Würdebegriff
  • 1.2 Historiografie als Problem
  • 2. Kontroversen über den Begriff ›Menschenwürde‹
  • 2.1 Bedeutungszuschreibungen
  • 2.2 Kritik am ›inflationären Gebrauch‹ und an der ›Vagheit‹ des Würdebegriffs
  • 2.3 Menschenwürde als Postulat der praktischen Vernunft
  • Teil II: Paradigmata in der Geschichte des Würdebegriffs
  • 1. Antike und mittelalterliche Würdebegriffe
  • 1.1 Cicero: Tugend, Rang und Würde
  • 1.2 Gottesebenbildlichkeit als Grund von Würde
  • 2. ›Dignitas hominis‹ in der Renaissance
  • 2.1 Giannozo Manettis ›De dignitate et excellentia hominis‹
  • 2.2 Giovanni Pico della Mirandola und seine ›Oratio de hominis dignitate‹
  • 2.3 Die Reformation als Gegenbewegung
  • 3. Skeptische Kritik an der Überschätzung des Menschen: Montaignes ›Essais‹ und Pascals ›Pensées‹
  • 4. Wege zu Aufklärung, Revolutionen und Menschenrechten: ›Menschenwürde‹ in Naturrechtstheorien und als Begriff der Rechts- und Politiktheorie im 18. Jahrhundert
  • 4.1 Samuel Freiherr von Pufendorfs Naturrechtstheorie
  • 4.2 Menschenwürde und die ›Rights of Man‹
  • 5. Philosophien der Menschenwürde: Von Hume zu Kant und zum Deutschen Idealismus
  • 5.1 Kant: Würde als unbedingter, unvergleichbarer Wert
  • 5.2 Fichte: Selbstachtung, Anerkennung und Würde
  • 5.3 Hegel: Würde und Recht
  • 5.4 ›Würde‹ in der Entwicklung nach Hegel: Vom Vormärz bis zu Proudhon
  • 5.5 Zwei Würde-Kritiken: Marx und Nietzsche
  • 5.6 Karl Kraus: ›Würde ist die konditionale Form von dem, was einer ist‹
  • Teil III: Menschenwürde als Rechtsbegriff
  • 1. Unrechtserfahrung – die Quelle der Menschenwürdegarantie
  • 2. Staat, Völkerrecht und Menschenwürde
  • 3. ›Menschenwürde‹ in Verfassungen
  • 3.1 Verfassungsvergleichende Befunde
  • 3.2 Europa auf dem Wege zu einer menschenrechtlichen Verfassung
  • 4. ›Menschenwürde‹ im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
  • 4.1 Zur Entstehung des Grundgesetzes
  • 4.2 Art. 1 Abs. 1 GG als ›Grundnorm‹
  • 5. Metaphysische und naturrechtliche Interpretationen der Würdenorm
  • 6. Das Neutralitätsgebot und die Religionen
  • 7. Die Konkretisierung des Begriffs der Menschenwürde ›vom Eingriff her‹
  • 8. Menschenwürde in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
  • 9. Menschenwürde und Menschenrechte
  • 9.1 Menschenwürde als Grund der Menschenrechte und ihre Konkretisierung in den Menschenrechten
  • 9.2 Menschenwürde und soziale Menschen- und Grundrechte
  • 9.3 Menschenwürde, Rechte zukünftiger Generationen und nachhaltige Entwicklung
  • 10. Menschenwürde – abwägbar?
  • 10.1 Die Menschenwürde ist nicht abwägbar
  • 10.2 Die ›Logik der Abwägung‹ und das Folterverbot
  • Bibliografie
  • Siglen
  • Literatur
  • Personenregister
  • Sachregister

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