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Kontrollpolitische Automatisierung der Personenidentifizierung an den Grenzen

Andrea Knaut

Diese Publikation zitieren

Andrea Knaut, Kontrollpolitische Automatisierung der Personenidentifizierung an den Grenzen (25.10.2021), Beltz Juventa, 69469 Weinheim, ISSN: 0341-1966, 2010 #3, S.167

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Beschreibung / Abstract

Schon 2003 ging in großen Teilen Europas ein bis heute jährlich hunderttausendfach genutztes automatisiertes Fingerabdruckidentifizierungssystem in Betrieb, das wenig mediale Aufmerksamkeit erfuhr: das "European dactylographic system" (Eurodac). In Europa trägt derzeit vor allem die sukzessive Einführung neuer Pässe dazu bei, dass biometrische Technologien zur automatisierten Personenerkennung öffentlich diskutiert werden. Biometrische Systeme als Black Boxes zu sehen, führt zu Fehlschlüssen über ihre Wirksamkeit sowohl aus technikfeindlicher als auch technikaffiner Sicht. Es ist wichtig, sie auf technischer, sozioökonomischer und historischer Ebene als aus Computersystemen mehrerer Hersteller integrierte Systeme zu begreifen, die unter Glücksversprechen an staatliche und privatwirtschaftliche Akteure vertrieben werden. Biometrische Personenkontrollen an Nationalstaatengrenzen können als Teil des menschlichen Ermessens und kommunikativer Prozesse beim Aushandeln von Zugängen zu Ressourcen und Macht verstanden werden. Das Technische ist mit seinen kategorisierbaren, jedoch nicht vermeidbaren Messfehlern und den nicht vorhersehbaren Interaktionen mit menschlichen Akteuren streitbar. Die politische Verantwortung für Aufenthaltsentscheidungen lässt sich somit nicht einfach an biometrische Systeme als vermeintlich korrekt und eindeutig arbeitende technische Instanzen delegieren. -- -- EURODAC, which stands for "European dactylographic system", is an automated fingerprint identification system that was established in 2002 and began operating in 2003. However, despite hundreds of thousands of fingerprints being processed through this system each year, Eurodac has received only very little media attention. In Europe, much of the public debate about the use of biometric technologies for the purpose of automated personal identification is centered on the gradual introduction of new biometric passports. To view biometric systems as "black boxes" leads to erroneous conclusions about their effectiveness, both from a technophobic and a technophile point of view. Rather, on a technical, socio-economic and historical level, they should be understood as complex systems that integrate smaller computer systems which are being sold to state and private actors by different manufacturers. The use of biometric identification systems at national borders can be seen as being part of communicative processes in the negotiation of access to resources and power. And the technology itself is a disputatious actor not least because of its unavoidable measurement errors (though categorizable) and unpredictable interactions with human actors. Thus, political responsibility for who is and who is not granted access cannot simply be devolved unto biometric systems as allegedly infallible and unambiguous technical authorities.

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