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Sozialer Tausch in den Verwandtschaftssystemen in Deutschland und Russland

Bernhard Nauck, Zaretkhan M. Saralieva und Sergey Balabanov

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Bernhard Nauck, Zaretkhan M. Saralieva, Sergey Balabanov, Sozialer Tausch in den Verwandtschaftssystemen in Deutschland und Russland (24.09.2021), Beltz Juventa, 69469 Weinheim, ISSN: 1436-1957, 2009 #1, S.60

Getrackt seit 05/2018

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Beschreibung / Abstract

Auf der theoretischen Ebene verknüpft der Beitrag zwei wichtige sozialwissenschaftliche Strömungen zur Erklärung von Verwandtschaftsbeziehungen, nämlich den institutionentheoretischen Ansatz der Kulturanthropologie mit dem interaktionistischen Ansatz der Familiensoziologie und Sozialgerontologie. Für die empirische Analyse wird ein empirischer Zugang gewählt, der sich an die Typologie von Generationenbeziehungen von Silverstein et al. (1994) anlehnt und ihn auf Verwandtschaftsbeziehungen zu Vätern, Müttern, Brüdern, Töchtern, Schwiegervätern, Schwiegermüttern, Schwäger und Schwägerinnen ausweitet. Die empirische Analyse basiert auf standardisierten Interviews von Müttern und Großmüttern in Deutschland (N = 713) und in Russland (N = 649) und hat insgesamt 5817 Verwandtschaftsbeziehungen zum Gegenstand. Ihre typologische Beschreibung deckt bereits wichtige Unterschiede in ihrer Bedeutung und Reichweite in beiden Gesellschaften anhand der Interaktionsdimensionen "strukturelle Gelegenheiten", "Kommunikation und emotionale Nähe" sowie "gegenseitige Hilfeleistungen" auf. Anschließend werden in einer multivariaten Regressionsanalyse sozialstrukturelle Effekte, individuelle Einstellungen und die Struktur der Verwandtschaft in ihrem Einfluss auf "Kommunikation und emotionale Nähe" sowie auf "gegenseitige Hilfeleistungen" in beiden Gesellschaften geprüft. Dabei zeigt sich, dass die Art der Verwandtschaft einen erheblich stärkeren Effekt auf die Interaktion hat als sozialstrukturelle Faktoren oder individuelle, familienbezogene Wertvorstellungen. -- -- The paper attempts to integrate two major theoretical approaches for the explanation of kinship relationships, namely the institutional approach of cultural anthropology and the interactionist approach of family sociology and social gerontology. The empirical analysis is based on an approach suggested by Silverstein, Lawton and Bengtson (1994) for intergenerational relationships. This approach is extended to include the analysis of kinship relationships with mothers, fathers, sisters, brothers, mothers-in-law, fathers-in-law, sisters-in-law, and brothers-in-law. The empirical analysis is based on standardized interviews with mothers and grandmothers in Germany (N = 713) and Russia (N = 649) and comprises 5817 kinship relationships in total. The typological description of the kinship relationships, based on the interaction dimensions "structural opportunities", "communication and emotional closeness" and "mutual help", already reveals significant differences in the importance and the reach of kinship relationships in both societies. In a subsequent multi-variate regression analysis, the effects of "society", "position in the social structure", "individual attitudes", and "kinship structure" on "communication and emotional closeness" and "mutual help" are tested. This analysis reveals that the institutional structure of the kinship system has a much stronger effect on kinship relationships than socio-structural factors or individual family-related attitudes.

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