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Feinschmecker und Bücherfresser

Christine Ott

Beschreibung

Die vorliegende Studie untersucht die Moderne als eine Epoche, in der Gastro-Kultur und geistige Speise eine folgenreiche Diskursallianz eingehen. Mit Blick auf zentrale Autoren der Moderne, insbesondere Rousseau, Flaubert und Proust, ferner Hegel und Nietzsche, wird gezeigt, weshalb das Essen im bürgerlichen Zeitalter zum zentralen Medium der Kultur- und Literaturreflexion avanciert.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • FEINSCHMECKER UND BÜCHERFRESSER
  • INHALT
  • VORWORT
  • I. EINLEITUNG
  • 1. Leseratten und Koch-Künstler
  • 2. Bibliophagie als psychologisches und als diskursgeschichtliches Phänomen
  • II. ZUR GESCHICHTE DES BÜCHER-ESSENS
  • 1. Fromme Bücherfresser: das Verinnerlichen der Zeichenordnung
  • 2. Renaissance: Renaturierung der Literatur und kritisches Lesen
  • 3. Klassik: kulinarische Kritik und die Geburt des guten Geschmacks
  • 4. Aufklärung: von der alimentären Polemik zum alimentären Denkmodell
  • III. GASTROMYTHEN DER MODERNE
  • 1. Von der Wirkung der Küche auf den Geist
  • 1.1. Die Küche als Kunst
  • 1.2. Gefährliche Reize des Essens
  • 2. Essen, Lesen und das Individuum
  • 2.1. Die aufklärerische Hygienekultur und das selbstregulierte Individuum
  • 2.2. Die medizinische Physiologie und die Gleichung von Denken und Verdauen
  • 2.3. Verschließung des Körpers und einsames Essen
  • 2.4. Lesesucht und Zeichendiät
  • 3. Essen und Gesellschaft
  • 3.1. Von der aufklärerischen Luxus-Kritik zur bürgerlichen Gastrokultur
  • 3.2. Vom Lob des Restaurants zum Verlust der Konvivialität: die Esskultur der Moderne
  • 4. Gastrophilosophische Denkmodelle: von der Metaphysik derEinverleibung zum porösen Ich
  • 4.1. Hinwendung der Philosophie zum Essen; das Essen als »ächter Trope« (Novalis)
  • 4.2. Der Genuss des Geistes (Hegel)
  • 4.3. Materialistisches Umdenken: der Mensch ist, was er isst(Feuerbach, Nietzsche)
  • 5. Die Allianz von Küche und Literatur
  • 6. Essen und Poetik von Balzac bis Huysmans
  • 6.1. Der Wandel des Literaturbetriebs und seine Refl exion im Medium des Alimentären
  • 6.2. Individualisierung der Poetiken und kreatürliche Metaphern
  • 6.3. Wandel der Leserschaft: Lese-Exzess und Lese-Diät
  • 6.4. Kommerzialisierung: das Buch als Massenfraß – und als elitäre Speise
  • 6.5. 1800-1835: zwischen natürlicher Inspiration und künstlicher Stimulation
  • 6.6. 1835-1860: diätetische Regulierung des Schreibens und spätromantische Reaktionen
  • 6.7. 1860-1900: zwischen Massenspeisung und Geschmacks-Eklektizismus
  • 7. Zusammenfassung: der alimentäre Diskurs der Moderne
  • IV. UNWÜRDIGE KOMMUNION UND SELBSTZEHRUNG: ROUSSEAU
  • 1. Rousseau und die Sorge um das Essen
  • 2. La Nouvelle Héloïse: die alimentäre Zeichenordnung und ihr Scheitern
  • 2.1. Die seelendiätetische Programmatik des Romans
  • 2.2. Die diätetische Ordnung von Clarens
  • Die humoralpathologische Konzeption der Romanfiguren
  • Essen als Zeichensystem
  • Julies Tugend-Diät
  • Exkurs: Balzacs Perversion der weiblichen Diät (Physiologie du mariage)
  • Kontrollierte Ausschweifungen
  • 2.3. Das Scheitern der Ordnung
  • Grenzüberschreitungen und Missdeutungen
  • Ambivalente Speisen
  • Psychopharmaka: Religion und Imagination
  • Imagination als Heilmittel gegen rationale Verhärtung
  • 2.4. Julies letztes Mahl
  • 2.5. Unzivilisierte Trauer: Claires Essstörung
  • 2.6. Zwischenbilanz: das alimentäre Zeichensystem und sein Scheiternin La Nouvelle Héloïse
  • 3. Les Confessions: vom natürlichen Appetit zum autarken Selbstgenuss
  • 3.1. Pikaresker und empfindsamer Körperdiskurs
  • 3.2. Das Essen als pikareskes Motiv
  • 3.3. Korrumpierung des unschuldigen Appetits: Triebhemmung, negative Verschließung
  • 3.4. Natürlicher Appetit und identitätskonstituierende Speisen
  • 3.5. Das intime Mahl: Kommunion der Herzen und der Zungen
  • 3.6. Essen und Lesen: das Buch als Muttermilch-Ersatz
  • 3.7. Verschließung und Selbstgenuss: die Mably-Episode
  • 4. Rousseau juge de Jean-Jacques: eine negative Diät
  • 5. Les rêveries du promeneur solitaire: Entsinnlichung des Essens und prekäre Autarkie
  • 6. Zusammenfassung: Essen als Zeichen und als Mediumder Individualisierung
  • V. EIN KANNIBALISCHER GOURMET: FLAUBERT
  • 1. La vie n’est-elle pas une indigestion continuelle? – Das Leben als Essstörung
  • 2. Flauberts alimentäre Poetik
  • 2.1. Die Korrespondenz als Medium einer alimentären Poetik
  • 2.2. Kulinarische Kritik an einer romantischen Ästhetik
  • 2.3. Diätetische Kritik am bürgerlichen Literaturkonzept
  • 2.4. Der kannibalische Schriftsteller
  • 2.5. Flaubert und die Gastronomie: eine kritische Anverwandlung
  • 3. Der kreative Prozess im Spiegel des Alimentären
  • 3.1. Lesen: kannibalische Aneignung und therapeutische Seelen-Nahrung
  • 3.2. Betrachten: die Bulimie des Realisten
  • 3.3. Beschreiben: ein Kampf mit der Materie
  • 3.4. Konzipieren: »Idee« und »Form«
  • 3.5. Schreiben: der Stil und der Bauch
  • 4. Der Körper des Autors
  • 4.1. Von der Diätetik des Schönen zur kreatürlichen Poetik
  • 4.2. Teller, Topf und Destilliermaschine
  • 4.3. Lesen und Schreiben als vitale Funktionen: der Mythos des »homme-plume«
  • 4.4. Zwischenbilanz: vom gastronomischen zum physiologischen Code – Flauberts alimen täre Poetik
  • 5. Von der alimentären Reflexion zur alimentären Fiktion: Madame Bovary
  • 5.1. Vom alimentären Vergleich zum alimentären Symbol
  • 5.2. Alimentäre Symbolisierungen in Madame Bovary: »realistisches« und »symbolisches« Essen
  • 5.3. Emma als Anti-Julie
  • 5.4. Im Zeichen des Rindviehs: Flaubert und seine Figuren
  • 5.5. Emmas Essen
  • 5.6. Emma als »poète hystérique«
  • 5.7. Die Milch der Gefühle
  • 5.8. Emma als Schreib-Maschine
  • 6. Monströse Versuchungen: die Selbstzehrung des Denkens in La Tentation de saint Antoine
  • 6.1. Figuren der Gier
  • 6.2. Ein philosophisches Monster
  • 6.3. Auf Hegels Spuren
  • 6.4. Flauberts Reflexion über Symbole, Monster und Phantastik
  • 7. Bouvard et Pécuchet: physiologische Abrechnung oder Abrechnung mit der Physiologie?
  • 7.1. Fressen, Kotzen und Scheißen: das Projekt von Bouvard et Pécuchet
  • 7.2. Die Körper von Bouvard und Pécuchet
  • 7.3. Die hohe Kunst des Verdauens
  • 8. Zusammenfassung: der Autor als Gourmet, Kannibale und Asket
  • VI. ENTREMETS: LITERATUR FÜR ANOREKTIKER: HUYSMANS UND DAS PROBLEM DERDEKADENZ
  • 1. Der »faulige« Stil der Dekadenz
  • 2. Kulinarische Kulturkritik in À rebours
  • 2.1. Anti-Physis, Lesen statt Essen
  • 2.2. Dekadente Wortküchen und die Sterblichkeit der Kultur
  • 2.3. Exzellenz der Dekadenz: das Osmazom der Literatur
  • 2.4. Gastroliterarische Verdauungsstörungen
  • 2.5. Verkehrtes Essen: À rebours als poetologische Konfession
  • 3. Huysmans als Vorläufer Prousts
  • VII. DIE GRAUSAME SCHÖNHEIT DER SPEISEN: PROUST
  • 1. Der genießerische Anorektiker
  • 1.1. Eine verfehlte Esserziehung
  • 1.2. Der opake Körper
  • 1.3. Die Askese des Schriftstellers
  • 2. Prousts »écriture gourmande«
  • 3. Flaubert, Proust und die übergekochte Milch
  • 4. Die Poetik der Recherche als work in progress
  • 5. Der Künstler als Essender: die Essbarkeit der Welt
  • 5.1. Combray: eine essbare Welt
  • 5.2. Essbare Worte: eine eucharistische Ästhetik
  • 5.3. Weißdorn und Erdbeerrahm
  • 5.4. Verzehrende Liebe
  • 6. Die Unessbarkeit der Welt
  • 6.1. Albertine: Assimilation oder Inkorporation?
  • 6.2. Butterblumen und Wasserkaraff en
  • 6.3. Pervertierte Eucharistien, substanzlose Speisen
  • 7. Essen und Erinnerung
  • 7.1. Die Sprache von Guermantes: eine urwüchsige Küche?
  • 7.2. »Marcels« ästhetische Esserziehung: Stilleben und metonymische Diners
  • 7.3. Die spirituelle Süße der Madeleine
  • 7.4. Zwischenbilanz: Künstlertum als Selbstaneignung
  • 8. Prousts alimentäre Poetik
  • 8.1. Die andere Nahrung der Kunst
  • 8.2. Die Poetik des »boeuf à la mode«
  • 8.3. Norpois, »boeuf à la mode« – und die Berma
  • 8.4. Kulinarische Kompositionskunst: Flauberts Teig und Prousts Gelatinewürfel
  • 8.5. Die grausame Schönheit der Kunst
  • 8.6. Feste und flüssige Speisen: irritierende Alliterationen
  • 8.7. Ein himmlisches Gemüse: Kunst als Desillusionierung und Reillusionierung
  • 8.8. Seestürme und Magnolienblüten: die Proustsche Poetik der Milch
  • 8.9. Zerstörerische Zungenspiele: Albertine und das Eis
  • 9. Un-Essbarkeit/Un-Lesbarkeit
  • 9.1. Unstillbarer Appetit: die Ewigkeit des Kunstwerks
  • 9.2. Aporien der Zunge: die Unvorstellbarkeit des Kreativen
  • 10. Zusammenfassung: vom Selbstgenuss zur Auszehrung – Proustsalimentäre Poetik
  • VIII. LITERATUR- UND KULTURREFLEXION IM MEDIUM DES ESSENS
  • 1. Essen und Lesen, Natur und Kultur
  • 2. Bürgerliche Hygienekultur, Gastromythos und moderne Literatur
  • 3. Der Mythos der Selbstzehrung
  • 4. Eucharistie und Materialität der Sprache
  • 5. Lesen: von der Lesediät zum Lesen als erkenntnistheoretischem appetizer
  • 6. Schreiben: von der physiologischen Stillosigkeit zur kulinarischen Stilistik
  • 7. Denken: alimentäre Poetik und alimentäre Weltanschauung
  • BIBLIOGRAPHIE
  • 1. Primärliteratur
  • ABBILDUNGSVERZEICHNIS
  • Index
  • I. Personen- und Werkregister
  • II. Sachregister

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