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1968

Joachim Scharloth

Beschreibung

Die 1968er-Bewegung hat die Bundesrepublik politisch kaum verändert. Aber aus ihr heraus hat sich ein neuer Kommunikationsstil entwickelt, der unsere Gesellschaft bis heute prägt.
Joachim Scharloth zeigt, dass nicht die politisierten Studenten, sondern die Aktivisten der Kommunebewegung eine nachhaltige Veränderung der bundesrepublikanischen Gesellschaft angestoßen haben. Von der Kritik bürgerlicher Rituale und den Ritualen des Protests in den 1960er Jahren über die Formierung eines hedonistischen Lebensstils im Alternativmilieu in den 1970er Jahren bis hin zum Wandel von Kommunikations- und Verkehrsformen seit den 1980er Jahren reicht der historische Bogen, den dieses Buch schlägt. Kommunikationsformen sind der Seismograph, an dem die gesellschaftlichen Veränderungen ablesbar werden. Anhand bislang noch nicht ausgewerteten Quellenmaterials wird die Entstehung neuer Kommunikationsformen und ihre Verbreitung in Kommuneküchen und Studentenkneipen nachgezeichnet und identitätspolitisch motiviert. Was 1968 als Ausdruck authentischer Gefühle und solidarischer Nähe intendiert war, ist in der Mehrheitsgesellschaft als Inszenierung von Informalität und Emotionalität, als "doing buddy" angekommen.

Inhaltsverzeichnis

  • BEGINN
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. ‚1968‘ in der BRD und die kommunikationsgeschichtlichen Folgen:
  • 1.1 Über ‚1968‘ schreiben I – eine Annäherung
  • 1.1.1 Über ‚1968‘ ist schon alles gesagt: Von der Engetraditioneller Narrative und ihrer Überwindung
  • 1.1.2 Über ‚1968‘ kann nicht schreiben, wer nicht dabei gewesen ist: Von der Macht der Zeitzeugen
  • 1.1.3 ‚1968‘ hat es nicht gegeben: Gegenstandsbestimmungen zwischen Mythos und kritscher Geschichtsschreibung
  • 1.2 Eine Kommunikationsgeschichte der 68er-Bewegung: Gegenstand und analytischer Zugang
  • 1.2.1 Die 68er-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland
  • 1.2.2 Zum analytischen Zugang: Das Konzept der Kommunikationsgeschichte
  • 1.2.3 Quellen einer Kommunikationsgeschichte der 68er-Bewegung
  • 1.2.4 Zur Anlage der Studie: Argumentationsstruktur und forschungsleitende Hypothesen
  • 1.3 Tendenzen der Forschung zu ‚1968‘
  • 1.3.1 Konsum, Jugendkultur und Gesellschaftswandel in den langen 1960er Jahren
  • 1.3.2 Internationale Zirkulation und nationale Rekontextualisierung von Zeichen und Praktiken
  • 1.3.3 Die 1960er Jahre als mediengeschichtliche Schwellensituation
  • 1.4 Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Forschung
  • 1.4.1 Die Sprache der Neuen Linken und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Wortschatzes
  • 1.4.2 ‚1968‘ und die Sprachkultur in der Bundesrepublik
  • 1.4.3 Destandardisierung als sprachliche Folge von ‚1968‘
  • 1.4.4 Kommunikationsgeschichtliche Ansätze
  • 1.5 Über ‚1968‘ schreiben II – ein Fazit
  • 2. Antirituale und Rituale des Protests
  • 2.1 Die Störung der rituellen Ordnung
  • 2.1.1 Die Entdeckung des Performativen in den 1960er Jahren
  • 2.1.1.1 Zwischen Sprachphilosophie, Kunst und Wissenschaft
  • 2.1.1.2 Akteurskategorien: détournement, begrenzte Regelverletzung und direkte Aktion
  • 2.1.2 Zur Theorie der Ritualstörung und der Methode ihrer Analyse
  • 2.1.2.1 Beschreibungskategorien für Muster in der soziokommunikativen Interaktion:
  • 2.1.2.2 Analyse performativer Akte
  • 2.1.3 Störungen in institutionellen Kontexten
  • 2.1.3.1 Das Ritual als Ordnungsmacht: Seminar- und Vorlesungssprengung in rollenanalytischer Perspektive
  • 2.1.3.2 Das Ritual als Krisenbewältigung: Die Störung einer Diskussion mit dem Regierenden Bürgermeister
  • 2.1.3.3 Das Ritual als Ausdruck einer Kosmologie: Die Störung von Gottesdiensten
  • 2.1.3.4 Fazit
  • 2.1.4 Störungen in rechtsverbindlichen Kontexten
  • 2.1.4.1 „Die Frage ist nicht zu erklären, sondern zu beantworten“: Einvernahmen vor Untersuchungsausschüssen
  • 2.1.4.2 „Fragen Sie nicht, das Gericht fragt“: Die Prozessegegen die Kommune I und ihre Nachfolger
  • 2.1.5 Typologie und Wirkungsweise der Subversion der symbolischen Ordnung
  • 2.2 Die Entstehung neuer kommunikativer Formen
  • 2.2.1 Zwischen Solidarität und Vertrautheit? – Duzen um 1968
  • 2.2.2 Das studentische Seminar
  • 2.2.2.1 Die Kritische Universität im Kontext der Bemühungen um eine Studienreform
  • 2.2.2.2 Kommunikative Aspekte des studentischen Seminars
  • 2.2.3 Das Kommunegespräch
  • 2.2.3.1 Organisationsform und Ziele von Kommunen
  • 2.2.3.2 Das Kommunegespräch als vergemeinschaftendes Ritual
  • 2.2.4 Fazit
  • 2.3 Diskutieren: zwischen Schlagwort und symbolischer Praxis
  • 2.3.1 „Demokratie ist Diskussion“: Zur Sozialsymbolik des Diskutierens
  • 2.3.2 Zur Semantik von ‚diskutieren‘ im Sprachgebrauch der 68er-Bewegung
  • 2.3.3 „Wir wollen diskutieren“: Zum strategischen Einsatz der Schlagwörter ‚Diskussion‘ und ‚diskutieren‘
  • 2.3.4 Die Radikalisierung der Bewegung: Eine Geschichte der kommunikativen Praktik des Diskutierens um 1968
  • 2.3.4.1 Zwischen Überzeugungsarbeit und Sprengung: Diskutieren in der antiautoritären Phase der 68er-Bewegung
  • 2.3.4.2 Die Professionalisierung des Diskutierens: Von der Diskussion zur Agitation
  • 2.3.4.3 Von der Entlarvungsdiskussion zum Diskussionshappening
  • 2.3.4.4 Fazit: Die Diskussion als Indikator und Motorder Radikalisierung der 68er-Bewegung
  • 2.4 Ritualstörung, neue Ritualisierung und kultureller Wandel – ein Fazit
  • 3. (R)evolution im Wort: Die Sozialstilistik der Protestkommunikation
  • 3.1 Stile, Milieus und ihre quellen geschichtlichen Überreste
  • 3.1.1 Lebensstil und kommunikativer sozialer Stil
  • 3.1.2 Szene, Milieu und Gegenkultur
  • 3.1.3 Das Tonband als Medium des Authentischen: Quellen zur Stilgeschichte
  • 3.1.4 Stilistische Dynamik um 1968
  • 3.2 Skeptischer Verweigerungsstil und intellektuell-avantgardistischer Stil
  • 3.2.1 Zwischen Krawattenmarxismus und Verweigerungshaltung: zur Sozialstilistik der intellektuellen Avantgarden
  • 3.2.2 Der skeptische Verweigerungsstil
  • 3.2.2.1 Strategien im Bedeutungskampf
  • 3.2.2.2 Selbst- und Fremdkategorisierung: Kollektivierung und Entpersonalisierung
  • 3.2.3 Der intellektuell-avantgardistische Stil
  • 3.2.3.1 Lexikalische Charakteristika
  • 3.2.3.2 Typische Wortbildungsmittel
  • 3.2.3.3 Syntaktische Merkmale
  • 3.2.3.4 Der Topos von der Unverständlichkeit
  • 3.2.3.5 Sozialsymbolische Bedeutung
  • 3.3 Der hedonistische Selbstverwirklichungsstil
  • 3.3.1 Kleidung und Körper
  • 3.3.2 Wohnen und Zusammenleben
  • 3.3.3 Der Kommunikationsstil des hedonistischen Selbstverwirklichungsmilieus
  • 3.3.3.1 Informalität
  • 3.3.3.2 Emphase und Emotionalität
  • 3.3.3.3 Subjektivität und Relativität
  • 3.3.3.4 Vagheit
  • 3.3.4 Lebens- und kommunikationsstilistische Konvergenzen
  • 3.4 Von der Bewegung zum Milieu: Eine Stilgeschichte des Protests nach 1968
  • 3.4.1 K-Gruppen und undogmatische Linke
  • 3.4.2 Lebensstilistische Entwicklungen und Konstanten
  • 3.4.3 Kommunikationsstilistische Kontinuitäten in den 1970er Jahren
  • 3.4.3.1 Befunde der linguistischen Zeitgeschichte
  • 3.4.3.2 Kommunegespräche in den 1970er Jahren
  • 3.4.3.3 Von der Wohngemeinschaft in die Wohnzimmer: Eine Club 2 – Diskussion mit Cohn-Bendit und Dutschke
  • 3.4.3.4 Informalität im Medium der Schrift
  • 3.4.4 Milieubildung I: Orte, Werte und expressive Formen aus der Sicht von Zeitzeugen
  • 3.4.5 Milieubildung II: Soziologische Befunde
  • 4. Vom ‚Anstand‘ zum doing buddy: Der Wandel von Verhaltensstandards
  • 4.1 Vom ‚Anstand‘ zur ‚Menschlichkeit‘ – Handlungskategorien im Wandel
  • 4.1.1 ‚Anstand‘ als Handlungskategorie in den 1968er Jahren
  • 4.1.2 Linke Kritik am Anstandsdiskurs
  • 4.1.3 Reaktionen des Anstandsdiskurses auf die 68er-Bewegung
  • 4.2 Verhaltensstandards im Wandel
  • 4.2.1 Quellen zur Erforschung von Verhaltensstandards in der Bundesrepublik Deutschland
  • 4.2.2 Dynamiken kommunikativer Formen der Vergesellschaftung
  • 4.2.2.1 Grüßen
  • 4.2.2.2 Vorstellen und Bekanntmachen
  • 4.2.2.3 Nominale Anredeformen für Frauen
  • 4.2.2.4 Gebrauch von Titeln
  • 4.2.2.5 Pronominale Anredeformen
  • 4.2.2.6 Anrede- und Schlussformen im Brief
  • 4.2.2.7 Fazit: Zur Dynamik von Höflichkeitsstandards und der Kategorien ihrer Ausdifferenzierung
  • 4.3 Die Entstehung des doing buddy
  • 4.3.1 Elias: Informalisierung als Zivilisierung
  • 4.3.2 Linke: Die Entstehung eines neuen sozialen Raumes
  • 4.3.3 Amendt: Die Transformation der Beziehungsverhältnisse
  • 4.3.4 Doing buddy: Die Verkumpelung der Gesellschaft als Folge der 68er-Bewegung
  • 5. ‚1968‘ und die kommunikationsgeschichtlichen Folgen –eine Zusammenfassung
  • 5.1 Zur Modellierung des Einflusses der 68er-Bewegung auf die Alltagskultur
  • 5.2 Zur Binnendifferenzierung der 68er-Bewegung
  • 5.3 ‚1968‘ im Kontext der Sprachgeschichte der Bundesrepublik
  • 5.4 Zum Konzept der Kommunikationsgeschichte
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Literaturverzeichnis

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